Review
von Leimbacher-Mario
Es liegt was in der Luft...
Die Zeit von Michael Bully Herbig als Regisseur ist vorbei. Für Komödien ala "Schuh des Manitu", die nicht gut gealtert sind und die du heutzutage einfach nicht mehr bringen kannst, trifft diese überspitzte Aussage zu. Doch mit seinem neuesten Thriller und ersten ernsten Film "Ballon", in dem zwei Familien mit einem selbstgemachten Heißluftballon die DDR verlassen wollen, beweist er eindrucksvoll und in dieser Art und Weise für mich auch überraschend, dass er weit mehr kann als nur Bullyparade und Lissi, Blödeleien und Klamauk, Flachwitze und Volksbespassung. Mit dem pulsierenden Mauerflug macht er sich kurzerhand zu einem endlich ernst zu nehmenden Regisseur. "Ballon" hat internationale Klasse, wurde nicht umsonst als deutscher Oscarbeitrag vorgeschlagen, ist exzellent produziert und durch und durch kompetent inszeniert. Dieser Film hätte Millionen deutsche Zuschauer verdient, nicht "Traumschiff Surprise" und Co....
Es ist eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Vor allem derart grandios erzählt zu werden. Ältere Semester werden sich an den Fall samt Ausgang sicher noch erinnern, doch ich könnte mir vorstellen, dass der temporeiche Fluchtversuch trotzdem zieht. Zu zackig, zu intensiv, zu emotional ist das Ganze, um nicht in irgendeiner Art und Weise mitzugehen und berührt zu werden. Das komplette Ensemble spielt gut, Thomas Kretschmann als bösen und zielstrebigen Stasi-Spürhund muss man allerdings hervorheben. Er verleiht der Suche nach den Fluchtplanenden eine ganz neue Ernsthaftigkeit und Konzentration. Bully ist nicht der feinfühligste und dezenteste Filmemacher, so sind z.B. der treibende Score oder manch ein Dialog sehr tollpatschig und auf die Zwölf, doch insgesamt unterhalten die zwei Stunden einwandfrei und es gibt nur Abzüge in der B-Note. Deutsches Geschichtskino, wie man es intensiver und packender kaum gestalten kann. Aber vor allem Spannungskino vom Feinsten. Über Familie, Freiheit und unvorstellbaren Mut. Manchmal kann es so einfach sein!
Fazit: nicht nur Bullys bester und ernsthaftester Film, was nicht allzu schwer war, sondern eine wirklich spannende, stark inszenierte und solide gespielte Geschichte, bei der man vor allem mitfiebert, wenn man den Ausgang nicht kennt. Bitte mehr davon, Herr Herbig!