Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (20)

6-HEADED SHARK ATTACK

(6-HEADED SHARK ATTACK)

Mark Atkins, USA 2018

Es musste so kommen: Dies ist 6-Headed Shark Attack aus der kalifornischen Ramschbude „The Asylum“ – der Streifen, auf den Filmfreunde in aller Welt, ähm ... eher nicht gewartet haben. Der Asylum-Komplettist ist indes sehr wohl erfreut über ihn, auch wenn seine „Vorgänger“ 2-Headed Shark Attack, 3-Headed Shark Attack und 5-Headed Shark Attack (4-Headed Shark Attack gibt’s nicht!), mit denen er natürlich rein gar nichts zu tun hat, bei allem Unterhaltungswert nicht ganz halten konnten, was ihre Titel versprachen. Das kann allerdings, so viel schon mal vorweg, auch der vorliegende Streifen nicht.

Wir befinden uns auf irgendeiner Insel im Pazifik (gedreht wurde in Südafrika, das wird noch wichtig sein), auf der ein leicht ungepflegt aussehender Mensch namens William vier Paare versammelt hat, um mit ihnen eine Art Adventure-Ehetherapie zu veranstalten (was genau ihn für diese Tätigkeit qualifiziert, bleibt ein Rätsel, zumal seine eigene Frau gerade die Scheidung eingereicht hat). Vier zerstrittene Paare bergen freilich eine Unmenge an Nervpotenzial, und das schöpft der Film in der Folge auch gründlich aus. Es gibt also erst einmal ausgiebig Streit und lästiges Gequatsche, in das sich irgendwann einmal drei, vier brauchbare Sätze verirren: Einer aus der Runde weiß zu berichten, dass es auf der Insel eine verlassene Forschungsstation gibt (die wird auch noch wichtig sein), in der man einst geheime Tierversuche durchgeführt und grauenhafte Kreaturen erschaffen haben soll.

Mit einer dieser grauenhaften Kreaturen machen die mehr oder weniger Therapiewilligen und ihr Anleiter dann auch irgendwann Bekanntschaft – und ja, es ist der sechsköpfige Hai, der vom Titel versprochen wird (auch wenn er in den ersten Einstellungen nur fünf Köpfe hat – nobody is perfect). Der sorgt nun endlich für etwas Stimmung und eine Reihe generischer Szenen: Unsere Truppe rettet sich unter fortwährenden Streitereien auf ein Schiff, kommt damit aber nicht weg und muss wieder zur Insel, wobei um der Spannung willen immer irgendwer irgendwohin schwimmen muss – was freilich nicht spannend ist, sondern zunehmend nervt, weil sich der Sechsköpfige erst einmal vornehm zurückhält.

Als die Leute allesamt wieder festen Inselboden unter den Füßen haben, droht neues Unheil: In der Ferne zieht ein Sturm auf. Nicht so schlimm, möchte man meinen, aber eine der Anwesenden, die sich als Meteorologin outet, weiß es besser: Der Sturm würde fürchterlich werden und binnen dreißig Minuten dafür sorgen, dass die gesamte Insel unter Wasser steht! Der Vorschlag des Chefs, sich in einen Leuchtturm am Ende der Insel zu retten, wird abgeschmettert, weil der Weg bis dorthin nicht vor dem Eintreffen des katastrophalen Unwetters zu schaffen sei. Man will daher lieber versuchen, die bereits erwähnte Forschungsstation zu erreichen, welche schwimmend gelagert sein soll. Gesagt, getan. Kurze Zeit später erreicht die immer noch fast vollzählige Gruppe tatsächlich ihr Ziel – und das ist der Moment, in dem ich meinen Augen wirklich nicht mehr trauen wollte: Die Forschungsstation besteht aus drei winzigen aneinandergebundenen Flößchen, die aus diversen Holzresten zusammengefriemelt wurden und im flachen Wasser herumschwimmen (auch das wird noch einmal wichtig). Auf einem davon stehen ein paar Wände aus alten Türen oder Ähnlichem (man kann es nicht einmal Hütte nennen), zwischen denen ein lausiges Skizzenheft mit Zeichnungen von mehrköpfigen Haien gefunden wird. Aha – hier wurden also tatsächlich die verhängnisvollen Versuche durchgeführt, deren Folgen unsere nervigen Akteure jetzt ausbaden müssen.

Und nun (SPOILER bis zum Absatz) müssen sie das auch wirklich wieder einmal tun, denn der Titelheld schnappt sich durch ein Loch im Boden des „Hauptfloßes“ die Meteorologin und ihren Partner. Das erspart ihr derweil wenigstens peinliche Fragen zu ihren fachlichen Aussagen in Sachen Super-Sturm: Der kommt nämlich gar nicht! Der Himmel sieht wieder blau aus und die Verbliebenen erreichen bei strahlendem Sonnenschein den Leuchtturm, wo es schließlich ans lang gezogene und dennoch sagenhaft einfallslose Finale geht (das Zauberwort heißt wieder einmal Gasflaschen – arrgh!) ...

Mein Gott. 6-Headed Shark Attack ist selbst für Asylum-Verhältnisse ein mieser Film. Und ein schlampiger gleich noch dazu: Wenn Skript und Regisseur einfach den Sturm vergessen (!), der hier mit viel Tamtam angekündigt wurde, dann ist wirklich alles zu spät. Ernsthaft vorwerfen muss man dem Streifen des Weiteren, dass er eine der wenigen Tugenden, die man den Werken unserer kalifornischen Lieblings-Schundschmiede zubilligen darf, nahezu völlig vermissen lässt – nämlich Tempo. Während der ordentliche Asylum-Heuler durch Handlung und Dialoge hetzt, als ginge es um Leben und Tod, gibt es hier Längen über Längen. Ehrlich gesagt besteht allein die erste Hälfte von 6-Headed Shark Attack fast nur aus Längen – es wird geschwatzt und geschwatzt, aber bis auf wenige Sätze ist nichts von dem, was die allesamt hochgradig unangenehmen Figuren hier von sich geben, von Belang. Und all das Gelaber kostet nicht nur sinnlos Zeit, sondern nervt zudem auch noch ohne Ende: Wir haben es hier wie gesagt mit zerstrittenen Paaren zu tun, und deshalb wird eben auch fast ausschließlich gestritten und herumgeschrien.

Viel zu lange muss man warten, bis sich der Titelheld, der schon nach wenigen Szenen zum wichtigsten Verbündeten des Zuschauers avanciert ist, endlich einmal bequemt, diese Horde von Unsympathen angemessen blutig zu dezimieren. Einfälle sind hier also Mangelware – mit seinem bereits in den Vorgängern ausgelutschten „Wir haben sechs bis zehn Leute als Haifutter mitgebracht und jeder von ihnen muss dreimal von A nach B oder C nach B oder umgekehrt schwimmen“-Szenario macht sich 6-Headed Shark Attack im Großen und Ganzen ziemlich entbehrlich. Was ein Film braucht, der mit seinem Titel antritt, ist gewiss nicht das lustlose und sogar übermäßig ernste Abspulen des Immergleichen – hier sind definitiv ein paar richtige Over-the-top-Momente gefragt.

Die kann eine Asylum-Produktion sehr wohl liefern, und wenigstens zwei davon sind auch hier im Angebot: Erstens ist der Titelheld in der Lage, auf dem Festland zu laufen, indem er vier seiner sechs Köpfe als Beine benutzt (!!) und zweitens beißt er sich einfach mal einen seiner Köpfe ab, um damit einen Gewehrschützen auf der obersten Ebene des Leuchtturms totzuwerfen (!!). Das ist ganz großes Trash-Kino, aber dabei bleibt’s dann leider auch.

Eine Sache bewegt mich derweil gewaltig, und wie schon angekündigt geht es hierbei noch einmal um die wirklich unfassbare „Forschungsstation“ (ehrlich gesagt ist auch das ganz großes Trash-Kino): Diese aus Holzabfällen zusammengebastelten Flößchen im seichten Wasser kamen mir als Asylum-Kenner nämlich sehr, sehr bekannt vor. Ich denke, dass ich ihnen in zumindest sehr ähnlicher, möglicherweise aber sogar in der gleichen Form schon einmal begegnet bin, und zwar in den wirklich grauenvollen Asylum-Heulern Empire of the Sharks und Planet of the Sharks beziehungsweise wenigstens in einem von ihnen. Tatsächlich stammen beide ebenfalls von Mark Atkins und entstanden gleichermaßen in Südafrika. Zudem tauchen dort auch Darsteller aus dem vorliegenden Streifen auf (wie Thandi Sebe und Jonathan Pienaar in Ersterem und Brandon Auret in Letzterem). Ich will nun nicht zum Verschwörungstheoretiker mutieren, aber für mich liegt der Verdacht nahe, dass da einiges gewissermaßen in einem Abwasch abgedreht wurde. Die Veröffentlichung im Jahresabstand spricht zwar dagegen, aber andererseits: Bezahlt man bei Asylum jährlich Flüge nach Südafrika? Sei’s drum – auf jeden Fall entstanden Teile von 6-Headed Shark Attack an einem bekannten Ort und unter Verwendung vorhandener Holzabfälle.

An der Optik ist grundsätzlich nichts auszusetzen – 6-Headed Shark Attack wurde ausschließlich bei strahlendem Sonnenschein gedreht, weshalb die Bilder tadellos aussehen. Sehr viel weniger tadellos sind natürlich die VFX, die in diesem Fall vorrangig den Titelhelden betreffen – wobei: Es gab schon Schlimmeres aus dem Hause Asylum (wie schlimm es kommen kann, habe ich gerade in American Warships gesehen). In manchen Szenen macht der CGI-Hai gar keinen so schlechten Eindruck, und richtig eingesetzt könnte er sogar ein wenig Furcht einflößend sein. Na ja, und für so einen sechsköpfigen Hai will auch erst einmal die Anatomie entworfen werden – ein Wunder, dass es halbwegs gelungen ist. Was dagegen noch immer keiner von David Michael Latts Effektzauberern in den Griff bekommt, und dies nicht einmal im Ansatz, ist eine akzeptable Interaktion des Tieres mit seiner Umwelt, was in den Fress-Szenen wirklich übel aussieht – der Hai beißt irgendwohin, aber nicht in die Leute, die er verspeist.

Dass er dies bei den meisten viel zu spät tut, klang schon an – eine erhebliche Mitschuld an dieser Einschätzung haben die Darsteller, die fast alle erbärmlich spielen. Nicht einmal Brandon Auret in der Hauptrolle des „Paartherapeuten“ ist wirklich zu gebrauchen, und alle anderen, angeführt von Thandi Sebe – okay, lassen wir’s, lassen wir’s ... Relativierend sei an dieser Stelle jedoch vermerkt, dass die vorliegende deutsche Synchronisation mit Macht das Ihre tut, um die Leistungen der Akteure in ein schlechtes Licht zu rücken. Das betrifft vor allem die weiblichen unter ihnen, deren Sprecherinnen durch die Bank mehr oder weniger hässliche und abstoßende Stimmen, keine Spur von Talent und anscheinend nicht einmal Lust haben, einen halbwegs vernünftigen Job abzuliefern. Fast wollte ich schon glauben, dass man hier vielleicht nur zwei Sprecherinnen an Bord hatte, die für andere Figuren ihre Stimmen verstellt haben – man kann sich kaum vorstellen, dass für diese Synchronisation fünf verschiedene derart fürchterliche Sprecherinnen aufgetrieben werden konnten. Ich merke gerade, dass ich hier wohl doch noch zum Verschwörungstheoretiker werde.

Wenigstens vom Score gibt’s schließlich milde Erbauliches zu berichten. Er stammt erwartungsgemäß von Chris Ridenhour und Chris Cano und ist ungewöhnlich abwechslungsreich geraten – neben zurückhaltend dramatischen und angenehm melodiösen Passagen wurden sogar zwei halbwegs ordentliche, von Frauen gesungene Songs eingebunden. Besonders auffällig ist, dass die Musik tatsächlich mit dem Geschehen korrespondiert und nicht wie so oft in Asylum-Produktionen nur stumpfsinnig im Hintergrund herumdudelt.

Unter dem Strich bleibt festzustellen, dass die X-Headed Shark Attack-Reihe auch weiterhin nicht so recht aus dem Knick kommt – 6-Headed Shark Attack kann dem Krempel, der schon in den Vorgängern bis zum Abwinken durchgeleiert wurde, kaum mehr als zwei gute Ideen hinzufügen und erfordert dank eines nervenden Personals, das unangemessen oft und ohne jeden Mehrwert zu Wort kommt, eine beträchtliche Leidensfähigkeit seitens derjenigen, die sich in Erwartung eines veritablen Trash-Fests auf ihn einlassen. Immerhin steigert sich der Streifen umgekehrt proportional zur noch anwesenden Menge der in ihm herumturnenden Pappnasen, und der auf seinen Köpfen am Strand herumspazierende Titelheld geht definitiv in die Annalen des cineastischen Schwachsinns ein – mit völlig leeren Händen steht man am Ende also nicht da. Dennoch: Selbst innerhalb des Asylum-Schaffens stellt 6-Headed Shark Attack allenfalls unteres Mittelmaß dar – und das ist entschieden zu wenig für einen Film mit diesem Titel.

(07/20)

Objektiv 3 von 10 Punkten.





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