Review
von Leimbacher-Mario
Kinky Kinskis kultige Katzen(unter)wäsche
Jacques Tourneurs „Cat People“ aus 1942 ist einer der besten und psychologisch wertvollsten Grusler in schwarz-weiß, den man finden kann. Er ist eigentlich perfekt. Und daher kein sinnvoller Kandidat für ein Remake. Auch fast ein halbes Jahrhundert danach nicht. Eigentlich. Denn Paul Schrader traute sich Anfang der 80er dennoch an seine Version - und versah diese mit einem ziemlich eigenständigen Ansatz, sodass sich nun beide gar für ein Double Feature eignen, gut ergänzen und prima koexistieren können. An die legendäre Val Newton-Produktion kommt das leicht esoterische, sexuell enorm aufgeladene „Remake“ zwar trotzdem nicht heran, doch im Gegensatz zu tausenden anderen blassen, feigen Neuverfilmungen hat es definitiv eine Daseinsberechtigung. Es ist epischer, es ist sinnlicher, es ist zeigefreudiger und es ist polarisierender. Und es bietet mit Nastassja Kinski eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Mit scharfen Zähnen und samtigem Fell. Wir folgen ihr auf dem Weg zu ihrem Bruder, den sie seit ihr Kindheit nicht mehr gesehen hat, in die Staaten. Dort verhält sich dieser ihr gegenüber jedoch höchst anzüglich und seltsam, sodass es eine romantische Beziehung zu einem Zoowärter nicht leicht hat und ihre animalischen Instinkte verrückt spielen...
Eigentlich ist der „Cat People“ von 1982 einer dieser Filme, über den ich lieber intuitiv reimend meine Kritik verfassen würde, als klassisch in zwei bis drei zusammenhängenden Absätzen. Denn Schrader ist hier wirklich ein sehr brodelndes, poetisches Projekt gelungen, das nur schwer (in Worte) zu fassen ist. Die untergründige Mystifizierung, der wabernde Bowie-Score, die Kinski in all ihrer knackigen und nackigen Pracht. Zudem immer eine Aura von Erregung und Tabus, von Anziehung und Enthaltsamkeit, von Körperflüssigkeiten und Luftfeuchtigkeit, von Instinkten und Intuition. Schraders „Cat People“ hat dadurch etwas Ewig-ätherisches, eine sehr spezielle Artenvielfalt. Nicht zugänglich für jeden, aber definitiv suchenswert. Dass er seit seinem Release noch immer etwas verpönt und verkannt ist, spricht für seine Potenz und prall gefüllten Eier. McDowell kommt etwas kurz, in den direkt vergleichbaren Szenen (Pool!) verliert der Film (vor allem spannungstechnisch) immer wieder gegen seinen Urahn und sein Vorbild, zudem ist das Ende ein echter Runterzieher und kommt plötzlich. Aber ansonsten ist das genau der richtige Guck für einen schwülen Hochsommerabend. Da wird nicht nur dem abseitig-gewandten Cineasten warm ums Herz.
Fazit: als Remake nahe einer Null. Zum Glück. Denn das Original bleibt eh unerreichbar und so geht Schrader seine eigenen, schwitzigen, dunstigen Wege. Mystisch, kratzbürstig, cool. Missverstanden und sehr attraktiv in vielen Belangen. Nicht nur den Ladies. Klassisch und doch vollkommen 80er. Sein ganz eigenes Biest!