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Ganze zehn Jahre sind ins Land gezogen, bis der zweite Streifen von Regisseur Johnny Kevorkian nach „The Disappeared“ folgte. Herausgekommen ist ein bedrückendes Kammerspiel, welches ein wenig unter den eindimensional gezeichneten Figuren leidet.

Es ist Weihnachten und nur widerwillig besuchen Nick (Sam Gittins) und seine Freundin Annji (Neerja Naik) die Familie Milgram rund um Patriarch Tony (Grant Masters).
Als sie das Haus am nächsten Morgen vorzeitig verlassen wollen, führt kein Weg hinaus, denn das Gebäude ist von einer undurchdringlichen, schwarzen Substanz umzogen.
Ohne Kontakt zur Außenwelt können sich die sieben lediglich an eingeblendeten Hinweisen auf dem TV-Bildschirm orientieren…

Noch schlimmer als eine schreckliche Familie an Weihnachten ist, diese nicht einfach mal rasch abservieren zu können. Opa (David Bradley) streut munter rassistische Thesen, die Nicks schwangere Schwester merklich unterstützt, was bei Annji, einer gebürtigen Inderin natürlich nicht so gut ankommt. Der Freund der Schwester kommt nicht über den IQ von zwei Metern Feldweg hinaus, während Dad blindlings den Anweisungen auf dem Bildschirm Folge leistet und dieses vehement und aggressiv vertritt, wogegen Mom stets einknickt und als braves, mutloses Muttchen im Hintergrund bleibt. Auch gegenüber Nick schwinden im Verlauf die Sympathien, weil er zu keiner Zeit aufmuckt oder gar mit der Faust auf den Tisch haut.

Aber warum ist nun dieses Gebäude, ein schlichtes, zweistöckiges Familienhaus von der Außenwelt isoliert? Ein Terroranschlag? Quarantäne? Außerirdische oder gar Reality-TV?
Leider handeln die Figuren nicht allzu rational, als der Truthahn in der Tonne landet, weil angeblich sämtliche Nahrung kontaminiert sei und man nichts mehr essen solle, - was ist mit Konserven? Und warum weiß eine Medizinerin nicht, dass man bei einer Spritze Alkohol auftragen sollte und die Ampulle besser nicht mit siedend heißen Wasser desinfiziert?

Folgerichtig entsteht rasch eine Gruppendynamik, die sich erwartungsgemäß zur Eskalation steigert, wobei drei abgetrennte Finger noch das geringere Übel darstellen. Das Erzähltempo ist angenehm flott, die Mimen erledigen einen soliden Job und auch der zurückhaltende Score unterstreicht die beklemmende Stimmung angemessen.
Über den finalen Akt kann man unterschiedlicher Meinung sein, wenn Referenzen an David Cronenberg durchschimmern und ein wenig CGI bemüht wird. Das Schlussbild ist zumindest durchaus gelungen.

Die alptraumhafte Prämisse sorgt über weite Teile für Suspense und obgleich die Figuren nur bedingt zum Mitfiebern einladen, entwickelt sich früh ein gewisser Sog, der Emotionen aufkochen lässt. Das Finale gestaltet sich ein wenig hanebüchen und nicht alle Fragen werden eindeutig geklärt, doch wer auf düstere Kammerspiele steht, könnte einen Blick wagen.
6,5 von 10

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