Review

(A)Sozialer Stuhlgang


Dieses Mel Brooks-Frühwerk, wie viele andere Versionen der Geschichte basierend auf einer berühmten russischen Volkssage, ist eher unbekannt - zu recht oder ein geheimes Goldstück? Erzählt wird von einem Stuhl einer Serie von zwölf, in dem ein goldiges Vermögen verarbeitet und versteckt sein soll. Also machen sich u.a. ein Doktor und ein Ex-Aristokrat auf die Suche nach diesem wertvollen Tischzubehör - quer durch die bibbernde, verarmte UdSSR des frühen 20. Jahrhunderts...

„The Twelve Chairs“ erzählt eine richtige Geschichte - das ist ungewöhnlich für eine Brooks-Lachplatte und definitiv ein Plus. Außerdem ist die Ausstattung gelungen, sind die Darsteller (wieder mal Brooks selbst und ein blutjunger Frank Langella) gut drauf und ist die Geschichte nicht umsonst legendär. Nur leider hört es da schon auf mit den Pros und leider hat man die sowjetische Sage schon wesentlich besser umgesetzt gesehen. Und sogar auch lustiger - und das ist doch eine ernüchternde Überraschung, wenn man bedenkt, dass kurz darauf schon „Blazing Saddles“ oder „Young Frankenstein“ aus dem Ärmel des Humorgenies geschüttelt wurden. Oder hat mich dieses untypische Werk einfach auf dem falschen Fuß erwischt? Nicht falsch verstehen, auch diese abenteuerliche Hetzjagd hat ihre Schmunzel- oder sogar genialen Momente. Der Titelsong ist z.B. ein echter Feger, Ohrwurm und hat das Zeug zum Klassiker. Hoffe auf das Beste, erwarte das Schlechteste! Auch ein, zwei pistolenartige Dialoge oder verrückte Nebenfiguren kriegen einen Daumen hoch, ganz zu schweigen vom enormen sozialen Sprengstoff, der in der Vorlage und etlichen Details steckt. Doch im Großen und Ganzen hatte ich nicht nur was anderes erwartet, ich war auch erstaunlich stumm und unamüsiert während der schneebedeckten Farce. Mh. 

Fazit: weder so lustig, wie man es von Brooks erwartet, noch die beste Verfilmung dieser unsterblichen russischen Geschichte. Charmante Darsteller, ein famoses Lied und das ansprechende, durchaus historisch und gesellschaftlich relevante Setting samt Abenteuer quer durch Mütterchen Russland machen diese Tafel allerdings schon noch einigermaßen sehenswert. Oder zumindest interessant. Selbst wenn man absolut keinen „Blazing Saddles“ erwarten sollte...

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