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Der Western nimmt gleich eine zweifache Sonderstellung im Werk der Coen Brothers ein. Zum einen ist der Film eine exklusive Netflixproduktion und damit der bisher erste Coen-Film ohne Kinoauswertung. Zum zweiten ist es der erste wirkliche Episodenfilm der Coens, auch wenn natürlich bereits FIlme wir HAIL, CESAR! schon einen sehr episodenhaften Charakter hatten. Im Grunde kommt noch eine weitere Besonderheit hinzu: BUSTER SCRUGGS ist nämlich der wohl unkommerziellste und – zusammen mit ihrem LADYKILLERS Remake – uninteressanteste Coen Brothers Film. 

Die Episoden im Einzelnen: 

„The Ballad of Buster Scruggs“: Der singende Cowboy Buster Scruggs (Tim Blake Nelson) gilt als schnellster Colt im Wilden Westen – bis er auf einen schnelleren trifft, bzw. der ihn. Clancy Brown wird als Pokerspieler in einem minutenkurzen Auftritt verheizt. 

„Near Algodones“: James Franco muss sich als glückloser Bankräuber mit einem wehrhaften Bankangestellten, lynchfreudigen Cowboys und angriffslustigen Indianern herumschlagen. In seiner lakonischen Art eine der besseren Episoden. 

„Meal Ticket“: „Impresario“ Liam Neeson stellt den nur aus einem Torso bestehenden Rezitationskünstler Harry Melling zur Schau, wovon beide mehr schlecht als recht leben. Ein leises Drama mit vielen repetitiven Gedichtperformances und bitterem Ende. 

„All Gold Canyon“: Goldgräber Tom Waits findet, wonach er sucht – und muss seinen Schatz verteidigen. Eine kleine Ode an die wunderschöne Natur des Westens – und die Gier des Menschen. 

„The Gal Who Got Rattled“: Die junge Alice (Zoe Kazan) ist auf einem Waggon Trail unterwegs, wo ihr Cowboy Billy Avancen macht. Eine ebenso schöne wie tragische Geschichte, vielleicht die beste des Films, die auch auf Spielfilmlänge hätte ausgebaut werden können. 

„The Mortal Remains“: Die Passagiere einer Postkutsche (u. a. Brendan Gleeson, Saul Rubinek) philosophieren über Religion, Liebe und Tod und singen. Geschwätziger, schwacher Abschluss, der wehmütig an Tarantions Postkutschenszene THE HATEFUL EIGHT denken lässt. 

Wenn man aus diesem Film etwas mitnehmen will, dann, dass der Wilde Westen grausam war und vielleicht auch heute noch ist. Ziemlich banal für einen Film, zutiefst enttäuschend für einen Coen Brothers-Film.

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