Review

Mit „Open Range“ fabrizierte Kevin Costner nicht nur ein Wunschprojekt (größtenteils aus der eigenen Tasche), sondern schuf einen nachdenklichen Spätwestern, der Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ nicht unähnlich ist.
Hier sind die Cowboys keine schießwütigen Killer, sondern wie ihre Berufsbezeichnung es schon sagt Viehhüter. Leiter der Truppe ist Boss Spearman (Robert Duvall), der zusammen mit seinem langjährigen Kompagnon Charley Waite (Kevin Costner) und den Jungspunden Mose (Abraham Benrubi) und Button (Diego Luna) über die weitere Prärie zieht, wie der Titel „Open Range“ schon sagt. Da schwelgt der Film auch in malerischen Bildern, die stimmig wirken – selbst wenn der Himmel über Kevins Marlborocountry stellenweise sehr fake ausschaut.
Als Mose jedoch aus einer Stadt Vorräte holen soll, geraten die freien Cowboys mit dem lokalen Viehbaron Denton Baxter (Michael Gambon), der ihren Beruf nicht mag und ihre Herde will. Als man Mose tötet und Button verletzt, legen Boss und Charley es auf den Konflikt an…

Das klingt schon eindrucksvoll, aber für Actionpuristen ist „Open Range“ eindeutig nichts. Trotz markiger Sprüche und Kampfbereitschaft auf beiden Seiten gibt es im ganzen Film nur ein Shoot-Out, der das Finale markiert. Dafür geht es hier recht rund und zwar auf eine schön ruppige Weise – obwohl die Schießerei nicht übermäßig hart ist. Der Stil ist angenehm realistisch und die Choreographie exzellent, da verzeiht man „Open Range“ dann auch den Mangel an Glaubwürdigkeit, da das dynamische Duo aus Boss und Charley mit nur minimaler Unterstützung eine Übermacht an Fieslingen wegflintet. Doch von dieser ausgiebigen, exquisiten Schießerei mal abgesehen schlägt „Open Range“ ruhige Töne an.
Ähnlich wie bei „Erbarmungslos“ ist die eigentliche Handlung sekundär und deren Ende recht einfach zu absehen und wie bei „Erbarmungslos“ steht die Demontage des gewohnten Cowboybildes im Western an erster Stelle. Coolness ist hier Fassade, kein Lebensstil: Boss fragt nach einer markigen Ansprache im Saloon Charley noch mal leise, ob die Rede gut war, beide geben zu, ihre eigentlichen Namen etwas markiger gestaltet zu haben usw. So reden die Cowboys hier über alltägliche Dinge und sind nicht die einsilbigen Killer mit den markigen Sprüchen, die das Genre sonst bevölkern. Costners Viehhüter kennen auch Angst (vor dem Tod, vor Einsamkeit usw.) und wissen in einigen Situationen auch nicht, was sie sagen sollen.
So zeichnet sich „Open Range“ nicht durch eine wendungsreiche Story mit viel Tempo aus, sondern die Faszination liegt viel mehr in der ruhigen Erzählweise und dem untypischen Blickwinkel. Dabei präsentiert „Open Range“ auch von der professionellen Inszenierung Costners, die den Film optisch veredelt (sehr stimmig: der Überfall auf das Lagerfeuer der Schergen).

Doch etwas Kritik muss sich „Open Range“ dann doch gefallen lassen. Costner baut auch noch eine Lovestory zwischen Charley und Sue Barlow (Annette Benning) ein, die den Film anfangs auch sinnvoll bereichert, denn es zeigt wie der ständig unter freiem Himmel lebende Charley langsam darüber nachdenkt sesshaft zu werden. Doch leider erweist sich gerade dieser Part gegen Ende als ziemlicher Bremser und sorgt dafür, dass auf das Ende des Mainplots um den Konflikt gegen Baxters Schergen noch einiges an Szenen zwischen Charley und Sue folgt. Diese ziehen sich jedoch wahnsinnig, tragen kaum noch etwas zum Film bei und zögern an sich nur noch den Abspann hinaus.
Schauspielerisch ist hier jedoch alles in Butter. Kevin Costner markiert mal wieder den kompromisslosen Cowboy mit leichten psychischen Schäden, wird aber von dem glänzend aufgelegten Robert Duvall noch an die Wand gespielt, der als mürrischer, aber trotzdem ziemlich kluger Cowboymentor wunderbar vom Leder zieht. Michael Gambon als Fiesling hat leider kaum Raum, während Annette Benning ziemlich gut spielt. Kim Coates darf auch in seiner üblichen Rolle mitmischen: Als Fiesling darf er ein paar miese Sätze sagen, wird dann aber zügig über den Jordan schicken.

„Open Range“ hat eine ruhige Art, an die man sich erstmal gewöhnen muss, und das Ende ist etwas holprig, doch davon abgesehen, bekommt man einen sehr intensiven Spätwestern geliefert. Die rund 133 Minuten Laufzeit gehen überraschend fix um, der Cowboymythos wird stimmig demontiert und das Finale ist von hoher Intensität.

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