Kevin Costner kann es nicht lassen: Nachdem er 1990 mit „Der mit dem Wolf tanzt“ seinen größten Triumph feierte, widmet er sich 13 Jahre später wieder dem Westerngenre. Schlechte Vorzeichen, dass auch „Open Range“ kein großer Publikumserfolg werden würde gab es viele: „Wyatt Earp“ mit Costner in der Hauptrolle floppte in den 90ern ebenso wie der Postapokalypse-Western „Postman“. Und wenn man nicht gerade Clint Eastwood heißt, sollte man spätestens jetzt die Notbremse ziehen – aber wie gesagt: Herr Costner ist da anderer Meinung. Tatsächlich gibt ihm jedoch die stilsichere Klasse von „Open Range“ recht: Kevin kann es doch noch.
Erzählt wird die Geschichte von 4 Viehtreibern um Boss Spearman (lebensklug, weise und perfekt besetzt: Robert Duvall) und Charley Waite (zottelig: Kevin Costner), welche im Jahre 1882 Ärger mit dem Großgrundbesitzer Baxter (Michal Gambon, „Harry Potter“) und seinen Schergen bekommen, da die sein Land abgrasen. Als die Situation eskaliert, einer der vier stirbt und ein anderer schwer verletzt wird, rüsten sich Charley und Boss für die Revanche…
Bis es dazu kommt, vorgehen knapp anderthalb Stunden des Films, in denen eher wenig passiert. „Open Range“ schwelgt in pittoresken, langen Landschaftsaufnahmen und einigen skurrilen Szenen um Kabbeleien zwischen dem ironisierenden Boss und der jüngeren Generation. Nur gelegentlich kommen ein paar Schießereien oder zwischenmenschliche Auseinandersetzungen dazwischen. Trotz der betonten Wortkargheit fällt das ganze Miteinander der letzten Cowboys ohne große Schießwütigkeit doch recht geschwätzig aus, was sich maßgeblich in der Lauflänge von über 2 Stunden manifestiert. Natürlich darf dabei eine Romanze nicht fehlen: der gebrochene Held Charley und die Schwester des ortsansässigen Arztes Sue (blass: Annette Bening, „American Beauty“) finden langsam zueinander. Die Betonung liegt auf langsam: „Open Range“ nimmt sich die Zeit, die Charaktere zu zeichnen und sich dennoch teils im dramaturgischen Vakuum zu verlieren. Das Stilmittel der weichen Überblendung wird dabei beinahe überstrapaziert, passt aber ganz hervorragend in den ruhigen, bedächtigen und epischen Inszenierungsstil Costners. Das kann man sowohl als eine Stärke von „Open Range“ ausmachen oder es als Schwäche ansehen. Der Showdown wirkt jedenfalls ob seiner Diskontinuität etwas zu gedehnt und enttäuschend.
Fazit: „Open Range“ ist ein toll fotografierter, prächtig ausgestatteter Vertreter des Westerngenres im neuen Jahrtausend, allerdings ohne durch knallharte Showdowns und aufwendig inszenierte Schießereien aufzufallen. Ein ruhiger und zuweilen langatmiger Film, der durch die intensiven Charakterzeichnungen eher als Drama denn als Western zu überzeugen vermag. „Der mit dem Wolf tanzt“ bleibt jedoch mit Abstand unerreicht.