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Die Blütezeit des Western ist schon lange vorbei und Kevin Costner (Der mit dem Wolf tanzt, Robin Hood) war es in keinster Weise zuzutrauen, dass er sich nochmal an solch ein Projekt wagt. Besonders seine zweite Regiearbeit "Postman" floppte an den Kinokassen, danach folgten mehr und minder brauchbare Rollen, richtig identifizieren konnte sich Costner erst wieder mit "Open Range". Der basiert auf der Novelle "The Open Range Men" von Lauran Paine. Craig Storper (Allein gegen Al Capone, Sador - Herrscher im Weltraum) verfasste daraus ein Screenplay, welches jegliche Westernelemente besitzt und vor allem durch zwei tolle Hauptcharaktere glänzt. Finanziell sah es diesmal wesentlich besser aus, Costner brachte die 26 Millionen Dollar zur Hälfte selbst auf, "Open Range" spielte weit mehr als das doppelte ein.

Boss Spearman (Robert Duvall) hat nur seine Herde, die er zusammen mit Charley Waite (Kevin Costner), Mose (Abraham Benrubi) und dem jungen Button (Diego Luna) durch die Prärie treibt. Doch im Kaff Harmonville geraten sie mit dem Rancher Denton Baxter (Michael Gambon) aneinander. Dessen Leute haben Mose brutal zusammengeschlagen und sie gehen noch weiter. Baxter will sich Spearmans Herde unter den Nagel reißen, bei einem Überfall töten sie Mose und verletzen Button schwer. Hilfe finden Spearman und Charly  bei Sue Barlow (Annette Bening), deren Bruder (Dean McDermott) eine Arztpraxis hat. Da sie nichts mehr zu verlieren haben, planen Spearman und Charly sich Dexter und seinen Schergen zu stellen und somit auch die Stadt aus ihrem Würgegriff zu befreien.

Kevin Costner präsentiert das harte Leben der Menschen, wie es wirklich war. Ein Western muss nicht immer sonnig und staubig sein, sondern darf wie hier auch gerne endlose grüne Wiesen und plötzliche Wetterkapriolen präsentieren. Besonders das Leben von Spearman und seinen Begleitern ist nicht beneidenswert. Sie ziehen durchs Land, um brauchbare Weideplätze für die Herde zu finden, ihr ganzes Hab und Gut schleifen sie in einem Planwagen mit sich. Und ganz besonders Spearman und Waite haben schnell das Herz des Zuschauers erobert. Spearman ist ein Mann alter Schule, der jedoch Probleme gerne mal mit Gewalt löst. Waite ist wesentlich hitzköpfiger und kann seine traurige Vergangenheit nur schwer verarbeiten. Schon zehn Jahre reiten sie jetzt zusammen und kennen noch nicht mal ihre richtigen Namen. Der melancholische Anstrich steht "Open Range" bestens, hier gibt es keine echten Helden, sondern nur Menschen die für Gerechtigkeit kämpfen. Schnell ist man von Costners ruhigem Erzählstil wie hypnotisiert, der den wilden Westen nicht nur in schöne, sondern auch gegenteilige Bilder taucht. So verwandelt der Dauerregen die Hauptstraße von Harmonville in einen reißenden Fluss, aus dem Charly noch einen kleinen Hund retten muss. Sein eigener wurde von Baxters Leuten getötet, den Klischees entsprechend ist auch der Marshall (James Russo) samt seinem Gefolge korrupt. Baxter hat die Stadt fest im Griff und niemand wagt dagegen etwas zu unternehmen.

So haben sich Spearman und Charly schnell einige Freunde gemacht, eine sich anbahnende Romanze darf dabei nicht fehlen. Vielleicht opfert Costner Sue Barlow ein bisschen zuviel Screentime, trotzdem vernachlässigt er das eigentliche Geschehen nie. Besonders wie nüchtern unsere beiden Hauptfiguren dem Tod ins Auge sehen, zeugt von Charakterstärke. Sie gönnen sich die teuerste Schokolade, eine seltene Zigarre und verraten sich vor dem großen Showdown noch ihre richtigen Namen. Und dies bleibt das einzige Gefecht im Film, welches Costner nicht nur mit der nötigen Härte, sondern auch mit richtig Schmackes inszeniert hat. Spearman und Charly stehen hier einer Übermacht von Männern gegenüber, erhalten aber auch Hilfe von den Einwohnern. Trotzdem geht man als Zuschauer schon mal davon aus, dass sie diese Schießerei vielleicht nicht überleben könnten, andererseits dürfen so sympathische Charaktere nicht einfach geopfert werden. Jedenfalls hat es der knapp zwanzig minütige Shootout wahrlich in sich, bis auf eine Szene kommt "Open Range" ansonsten völlig ohne Gewalt aus. Hier stehen die Figuren, Menschlichkeit und tolle Dialoge im Mittelpunkt, Gewalt ist hier der letzte Ausweg.
Dabei gefallen besonders die Schauspieler, Kevin Costner, Robert Duvall (The 6th Day, Falling Down) und Annette Bening (Good Vibrations, Jenseits der Träume) blühen in ihren Rollen förmlich auf, der Gegenpart ist mit James Russo (Die Neun Pforten, Target - Krieg der Sniper) und Michael Gambon (The Book of Eli, Harry Potter) ebenfalls hochwertig besetzt.

Sehr gediegen erzählter Western mit melancholischem Anstrich und knalligem Showdown. Die Darsteller fühlen sich in ihren Rollen sichtlich wohl, man verzeiht Costner ein paar überlange Dialoge gern. Auch optisch ist "Open Range" eine wahre Pracht, denn der schönen Landschaft steht das verregnete Wetter gegenüber, der Score von Michael Kamen ist sehr zurückhaltend. Insgesamt hebt man sich deutlich von anderen Genrebeiträgen ab, besonders in Punkto Charaktere. So bleibt eine großartige Wiederbelebung in tollen Bildern, muss man gesehen haben.

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