"Wunderschönes Land. Man kann sich hier verlieren. Vergessen, dass Menschen komplizierter sind als die Welt hier draußen."
Boss Spearman (Robert Duvall), Charley Waite (Kevin Costner), Mose Harrison (Abraham Benrubi) und Button (Diego Luna) sind Viehtreiber, die ihre Rinderherde von einer Weide zur nächsten führen. Als sie das Dorf Harmonville streifen wird Großgrundbesitzer Denton Baxter (Michael Gambon) auf die unabhängigen Cowboys aufmerksam. Ihm missfällt es, dass das seiner Meinung nach ihm gehörende Land von den fremden Rindern abgegrast wird. Als Mose kurzzeitig in dem Dorf gastiert, wird er von einigen Schlägern von Baxter verprügelt und vom korrupten Sheriff Poole (James Russo) eingesperrt. Nachdem Boss und Charley Mose frei gekauft haben und bei dem ortsansässigen Doc Barlow (Dean McDermott) und dessen Schwester Sue (Annette Bening) behandeln ließen, passen sie die Schläger auf freiem Feld ab. Parallel greift aber schon eine weitere von Baxter angeheuerte Gruppe das Lager der Viehtreiber an, erschießt Mose und verletzt Button schwer.
"Open Range" entmystifiziert den Heldenmythos des Cowboys, der im wilden Westen Banditen und Indianer zur Strecke bringt. So wie im Genre des Spätwesterns üblich zeigt Regisseur und Darsteller Kevin Costner ("Der mit dem Wolf tanzt", "Wyatt Earp - Das Leben einer Legende") einen Film über Charaktere, die ein alltägliches Leben in rauhen Umständen führen, während einer Zeit, in der sich der wilde Westen im Abgesang befindet und der Fortschritt Einzug hält.
Detailreich beschreibt "Open Range" das Leben zu der damaligen Zeit in der Prärie. So sind Schutzgräben, die das Nachtlager vor strömendem Wasser bei Regen schützen sollen, genauso ersichtlich wie Alltagsgegenstände der Viehtreiber. Die Ausstattung ist glaubwürdig und die Kulissen sind opulent. Gerade die erste Hälfte des Films setzt in dieser Hinsicht atmosphärische Schwerpunkte.
Anhand von gemächlichen Kamerafahrten über weitsichtige Landschaften wird vor allem das Freiheitsgefühl ersichtlich. Der Soundtrack passt sich variabel dem Geschehen an und bietet die ganze Bandbreite von stillen, intimen Themen bis hin zur orchestralen Wucht. Die Atmosphäre ist stimmig, auch wenn die Handlung keine innovativen Quantensprünge vorweist. Daraus resultieren aber auch Längen, die den Film besonders in der Hälfte der Laufzeit spürbar verlangsamen.
Der Fokus des Spätwesterns liegt auf den Protagonisten Spearman und Waite. Neben diesen beiden finden Andere kaum einen Platz, was besonders für die Formung der Gegenspieler zum Verhängnis wird. Sie verkommen zu Schießbudenfiguren, wie in gewöhnlichen Western.
"Open Range" baut die Spannung zwischen den Fraktionen immer weiter aus, bis sie final explodiert. Erst gegen Ende findet sich eine wilde Schießerei, die durch seine kompromisslose Art für die bis dahin fehlende Action versöhnt. Auch hier zeigen sich die rauen Umstände. Stilistisch bietet der Film keine geschönten Bilder, sondern eine wilde Bilderflut aus schnellen Tötungen und knallenden Pistolenschüssen.
Das Zusammenspiel zwischen Costner und Robert Duvall ("The 6th Day", "Der Pate"-Reihe) funktioniert erstaunlich gut. Die Sichtbarkeit beider ist ausgewogen und stets bildet die Paarung von zurückhaltender Entschlossenheit und gefühlsbetonter Reaktion eine erstaunlich unterhaltsame Mischung. Eine zaghafte Romanze bildet sich mit der hinzu kommenden Annette Bening ("American Beauty", "In Sachen Henry") die glaubwürdig, jedoch am Ende etwas zu schmalzig herausgefordert wird. Die weiteren Darsteller fügen sich stimmungsvoll ein, fallen durch ihre geringe Sichtbarkeit aber kaum auf.
Aufgrund seiner langsamen Erzählweise und nur wenig Action erscheint "Open Range" von Zeit zu Zeit etwas zu langatmig. Dies kommt jedoch der gelungenen Atmosphäre zugute, die durch erstaunliche Landschaftsbilder, einen variablen Soundtrack und zwei plausible Hauptfiguren enorm vertieft wird. Der Spätwestern will eine glaubwürdige Geschichte über die Lebensumstände der Viehtreiber erzählen und verzichtet dabei auf heroische Westernhelden und massig Schießereien. Die einzig vorhandene ist dafür enorm wuchtig.
8 / 10