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Charley Waite und Boss Spearman sind die Letzten ihrer Art. Wo 1882 die Zäune der Zivilisation den Westen Amerikas noch nicht erreicht haben, treiben sie ihre Rinder über freies Weideland – unterstützt vom sanftmütigen Riesen Mose und dem jungen Mexikaner Button. Es ist ein hartes, aber von der Schönheit der Natur versöhntes, Leben. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie das Reich eines Tyrannen streifen: Rancher Baxter, der das Örtchen Harmonville fest in seiner Hand hat, hasst die sogenannten „Freegrazer“ – wie die vier Cowboys, die vom Land leben, selbst aber keines besitzen. Und wider Willen sehen sich Waite und Spearman in einen gnadenlosen Kampf verstrickt, der über ihre Zukunft und die aller Bewohner von Harmonville entscheidet.

Kevin Costner scheint das Westerngenre am Herzen zu liegen, nach seiner Indianerserie und dem tollen Wolfstänzer produzierte er nochmals einen der eher ruhigen Western, dafür mit enormen Tiefgang. Als Piffpaffpuff Geschichte ist Open Range nicht konzipiert, sondern eher als melancholischer Abgesang des guten alten Wilden Westens, als die Prärie noch weit und der Cowboy noch frei war. Genau dies versucht der Großrancher Baxter zu verhindern, tötet einen der Cowboys, verletztz den zweiten schwer und beschwört so einen folgenschweren Konflikt zwischen Viehtreibern und Grundbesitzern herauf.
Vorher stehen allerdings eher die tollen Dialoge und Landschaften im Vordergrund. Statt trockener Hitze bestimmen hier, thematisch durchaus passend, grüne Wiesen und vor allem strömender Regen die Optik. Action kommt gar nicht vor, lediglich die letzte Viertelstunde fliegen die blauen Bohnen, als Boss und Charley sich der Übermacht von Baxters Leuten zum Stand off stellen. Hier wird sogar recht herb zur Sache gegangen und die Bösen fliegen nach einem freundlichen Gruß aus der Schrotflinte schon mal meterweit durch die Luft. Aber das ist wie gesagt die totale Ausnahme in Sachen klassischer Western.
Bis dahin liefern sich die beiden alternden Cowboys tolle Zwiegesprächen und das trotzdem Charlie nur im Notfall Worte verliert. Schön die Einstellung als sich die beiden, den Tod vor Augen, mit schweizer Schokolade und kubanischen Zigaretten einen kleinen Luxus gönnen und sich nach 10 Jahren Gemeinsamkeit endlich ihre vollständigen Namen verraten. Da Zeigt Costner ein gutes Händchen in Sachen Charakterzeichnung. Lediglich die Love Story hätte man getrost weglassen können, da sie eigentlich kaum ins Bild paßt. Dennoch bleibt ein sehenswerter Film über Freundschaft und Gerechtigkeitsgefühl einer auslaufenden Generation.
7/10
 

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