Review

kurz angerissen*

So also sieht das Ergebnis aus, wenn der russische Schüler bei der Klassenarbeit vom amerikanischen Mitschüler abschreibt... und nicht merkt, dass sein Sitznachbar der dümmste Schüler in der ganzen Klasse ist.

Normalerweise haben russische Fantasy- und Märchenfilme ja ihre ganz eigene Aura, aber wenn die Zutat Horror im Rezept steht, bevorzugt man wohl eher den Import aus dem Ausland. An "The Mermaid" jedenfalls fühlt sich nur wenig russisch an, was man nun je nach Präferenzen als Vor- oder Nachteil auslegen kann. Das Produktionsland wird am ehesten noch durch die slawischen Gesichtszüge der Darsteller verraten, ansonsten könnte der Dreh genauso gut im Camp Crystal Lake stattgefunden haben.

Es ist ein Film, den ein Teenager mit Horror-Affinitäten für einen romantischen Abend mit seiner Love Interest auswählen würde... es geht ja schließlich um Liebe und so. Dort, wo normalerweise unvorsichtige Jugendliche baden, schwimmt nun eben ein Meerjungmonster, das der weiblichen Eifersucht nicht gerade eben eine hübsche Visage im Spiegel entgegen hält. Die visuellen Tricks rund um die Filmattraktion wirken stets unausgearbeitet und tragen nur selten zum Gelingen der müden Jump Scares bei, gehören aber ansonsten noch zu den Höhepunkten. Immerhin wird einigermaßen kreativ mit den morphologischen Eigenschaften der Kreatur gespielt, die in diesem Fall ihre gestaltwandlerischen Fähigkeiten irgendwo zwischen Wasserleiche, Tiefseefisch und Poltergeist verteilt und damit wenigstens für eine gewisse Abwechslung sorgt. Dazu gehört auch, dass ihr Wirkungsbereich bei weitem nicht auf den titelgebenden See beschränkt ist. Sie hockt auch in Kellern oder versteckt sich unter Bettdecken. Zudem verwandelt sie Schwimmbäder gerne mal in ihren heimischen Tümpel oder wendet anderweitig Teleportationstechnologie an, um die träumenden Nichtsnutze wieder in den nächtlichen See zu befördern.

Das hilfsbedürftige Drehbuch, die vergessenswerten Schauspielleistungen und die kantenlose Regie ersticken allerdings die letzten Hoffnungen darauf, das Etikett "austauschbar" mal stecken lassen zu können. Da ist es nur gut, dass wir beim Thema "Meerjungfrau" inzwischen die Qual der Wahl haben. Im Zweifel sei daher der Blick nach China ("The Mermaid") oder Polen ("The Lure") empfohlen.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme