Review

Mordende Mode


„In Fabric“... Schwer zu beschreiben. Wie eine bizarre, hypnotische Mischung aus „Suspiria“ (beiden Versionen) und... „Rubber“?! Zumindest wenn man den Reifen mit einem knallroten Kleid austauscht kommt das hin. In etwa. Aber im Endeffekt ist ein Peter Strickland immer eine Nummer für sich und sollte auf jeden Fall auf der großen Leinwand in bestmöglicher Qualität genossen werden. Erst dann entfaltet er seine magische Aura und einnehmende Wirkung... Wir folgen einem tödlichen, verhexten (?) Kleid durch ein paar Besitzer. Ein spooky Modehaus mit der wohl seltsamsten und coolsten und hochgestecktesten Verkäuferin aller Zeiten verbindet die Träger und Geschichten... 

„Berberian Sound Studio“ ist eine grandiose Giallo-Hommage, „The Duke of Burgundy“ konnte ich bisher leider noch nicht sehen. Aber was ich definitiv schon sagen kann, ist, dass ich ein Fan dieses einzigartigen, intelligenten und unfassbar stilvollen Regisseurs bin. „In Fabric“ bestätigt mich in dieser Aussage enorm. Dieses humorvolle Modemonstrum ist surreal und bizarr, sympathisch und kunstvoll, artsy aber nicht fartsy, speziell aber doch zugänglich. Letzteres vielleicht mehr als bei Strickland je zuvor. Trotz unbestreitbarer Weirdo-Wellen. Richtiger Grusel kommt selten auf, doch die gesamte Stimmung, das Feeling, die Retrovibes stimmen auffällig gut. Textil-Traumata. Ohr-Orgasmen. Sinnliches Shopping. Waschmaschinen-Wahnsinn. Erotische Etiketten. Geistreicher Größenwahn. Kokette Konsumkritik. Echte Fashion Victims. Brillante Blechschäden. Und für „GoT“-Fans gibt’s auch noch ein Schmankerl. Einen mittelgroßen Abzug bekommt der Film von mir nur durch seinen unerwarteten Bruch und die komplette Neujustierung ungefähr nach der Hälfte des Films, wenn man gerade angefangen hat richtig mit den eingeführten Figuren zu fühlen. Ansonsten ein texturreicher Triumph. 

Fazit: Killer Fashion. Mode und Tode. Britischer Humor meets italienischen Giallo. Stricklands zugänglichster und fluffigster Erguss. Stylisch, unterhaltsam, locker aus der Hüfte geschossen, verspielt und kostbar wie ein mysteriöses Designerstück im Secondhand-Shop. Wenn auch in der zweiten Hälfte etwas nachlassend und redundant. Mitternachtswahnsinn kommt nicht mit mehr Stilbewusstsein. 

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