Review

Bordsteingrabenkämpfe

Nachdem mir die neueren Hits von „Berliner Schule“-Vorzeigeregisseur Thomas Arslan verdammt gut gefallen haben, war ich froh mit „Dealer“ auch noch ein (kaum minder beeindruckendes) Frühwerk von ihm vor die Augen zu bekommen. In diesem Kleingangsterfilm mit türkisch-deutschem Einschlag folgen wir Can im Berlin der ausklingenden 90er, wie er Drogen vertickt, jedoch eigentlich für seine kleine Familie endlich auf die legale Bahn kommen will… 

Turks on Drugs

„Dealer“ fängt die Berliner Drogenszene Ende der 90er stark und glaubhaft ein. Das ist eine echt raue Zeitreise in eine Subkultur! Ein paar der Dialoge sind minimal steif vorgetragen, doch die meiste Zeit tropft das Geschehen nur vor Flair, Realness und Strassenmentalität. Das hat sogar schon von „Pusher“ bis „Sonne & Beton“ einiges aufgegriffen oder vorweggenommen. Der Hauptdarsteller und Protagonist ist eine Bank. Die Nebenfiguren sind nie zu schrullig, bleiben aber dennoch im Gedächtnis. Und der Spagat aus Familienleben und „Job auf der Straße“ bzw. einem Bein im Knast wird packend (aber sehr, sehr minimalistisch und nüchtern!) dargestellt. Man kann alles extrem gut nachvollziehen und hängt quasi mit in dieser Zwickmühle. Und dagegen habe ich in diesem Fall rein gar nichts… Allzu viel Action oder Highlights sollte man jedoch nicht erwarten. Intern brodelt's aber über sehr verdichtete 72 Minuten durchgängig und mächtig. 

Schwarzes Loch namens Kriminalität

Fazit: deutscher Strassenkrimi mit türkischstämmigen Hintergrund, viel Authentizität und Milieustudienflair. Kurz, knackig, kompakt und konzentriert. 

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