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Über Jahre schlachteten Medien den Mordfall um die damalige Angeklagte Amanda Knox, auch bekannt als „Engel mit den Eisaugen“ aus, was nicht zuletzt am unsäglichen Hin und Her der italienischen Justiz lag, die nach dem Mord 2007 erst 2015 zu einem endgültigen Urteil kam. Die zweite Regiearbeit des argentinischen Regisseurs Gonzalo Tobal ist vage an jenen Fall angelehnt.

Eigentlich würde die 21jährige Dolores (Lali Espósito) gerne Mode im Ausland studieren, doch nun wird sie angeklagt, ihre beste Freundin Camila vor zwei Jahren während einer Feier umgebracht zu haben. Trotz einstudierter Aussagen durch Familie und Anwalt gerät die junge Frau unter Druck als eine neuer Beweis gefunden wird…

Durch die zunächst recht sprunghafte Erzählweise gestaltet sich der Einstieg als überaus holprig. Schnipselartig wird die Hauptfigur zwischen Erfolgsschiene und Anklage eingeführt und man kann zunächst nur mutmaßen, warum sich die Medien auf Dolores und den Prozess stürzen.
Bezeichnend für die ständigen Wechsel der Zeitebenen: Eines Tages erscheint Dolores mit Kurzhaarschnitt, welcher bei Vater und Freund nicht gut ankommt. Zwei Szenen später wird illustriert, wie die Haare geschnitten werden.

Überdies wird man nur schwer mit der zumeist schweigsamen und in sich gekehrten Dolores warm und auch die Interaktionen mit der Familie gestalten sich zuweilen lahm und unergiebig.
Die Szenen mit ihrem deutlich jüngeren Bruder bringen immerhin ein Minimum an Emotionalität hervor, ansonsten gibt das Verhalten ab und an Rätsel auf, da es unzureichend hinterfragt wird und der Background äußerst dünn bleibt.

Etwas interessanter gestaltet sich die Erzählung schließlich mit Prozessbeginn, wobei der eigentliche Mordfall zu keiner Zeit mit Details im Fokus steht. Weder ein möglicher Tathergang, noch weitere Tatverdächtige werden bemüht und am Ende geht es nur darum, ob Dolores schuldig gesprochen wird oder nicht. Diesbezüglich mag man einige Parallelen zu einem entlaufenen Puma herstellen, der in den letzten Einstellungen noch einmal bemüht wird, - zufrieden stellt der Ausgang nicht wirklich.

Somit zählt das Gerichtsdrama, trotz solider Mimen und brauchbarem Handwerk auf gehobenen TV-Niveau, zu jenen, die aufgrund betont ruhiger Erzählweise kaum mitreißen.
Es mangelt an Spannung und gleichwohl an klaren Fakten, stattdessen dominieren lange Zeit Familiendrama und eine frische, auffallend gefühlslose Beziehungskiste, die kennzeichnend für das komplette Werk steht.
4 von 10

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