Dass die Leute dahingehen, wo das Geld winkt ist kein Wunder, und dass heutzutage die 'HK-Filme' mit chinesischer Unterstützung und entsprechend auch Teilhabe und Einmischung finanziert und produziert werden auch nicht. Dabei könnte das Jahr 2018 durchaus als kleine Form der Wende gelten, wurden doch gerade in den aktuellen und den letzten Monaten einige Projekte Wirklichkeit und dies mit Zuspruch auch gerade bei den Zuschauern vom Festland, die früher recht und eindeutig dem HK-Kino zuzuordnen wären und wo heutzutage auch noch die Mannschaft vor und hinter der Kamera großteils aus der Sonderverwaltungszone, die Ermöglichung dahinter allerdings vermehrt auch beim Mutterland China ist.
Project Gutenberg mit einem Einspiel von etwa 180 Mio. USD gehört dazu, L Storm als bereits dritter Teil einer eher qualitativ mäßigen Finanzsaga mit 64 Mio. USD, und nun auch Golden Job mit 45 Mio. USD, der im Grunde die Réunion einer vor vielleicht zwanzig Jahre gefragten Gruppierung ist und in seinem Ansinnen, dem Anliegen, der Durchführung und all seiner Methoden auch zwei Dekaden alt und glücklicherweise dennoch frisch in der Inszenierung und der allgemeinen Handhabe ist:
Das ehemalige Söldnerteam bestehend aus Lion [ Ekin Cheng ], Crater [ Jordan Chan ], Calm [ Chin Kar-lok ], Mouse [ Jerry Lam ] und Bill [ Michael Tse ] hat sich nach einem schiefgegangenen Auftrag vor fünf Jahren eigentlich aus dem gefährlichen Geschäft zurückgezogen und allen voran ihrem damaligen Auftraggeber Rick Rice [ Sergej Onopko ] den Rücken gekehrt. Auf Bitten von Lion, der seiner Freundin Dr. Zoe Chow [ Charmaine Sheh ] 'preisgünstig' dringend benötigte Medikamente für afrikanische Kinder- und Hilfsstationen zuschanzen möchte, kommt der Trupp noch einmal zusammen, um in Budapest einen entsprechenden Transport zu stehlen. Der Coup gelingt, allerdings sind da keine Medikamente im Truck, sondern Tonnen voll Gold, was die fünf Freunde in Bredouille und bald schießwütige Gefahren bringt.
Erinnern tut man neben der aufgrund der Besetzung natürlich vorliegenden Reminiszenzen an die Young and Dangerous Reihe (aus einem anderen Milieu) verstärkt an die ersten Versuche des sich damals gerade im Wandel befindlichen einheimischen Kinos, die sich angesichts des drohenden oder bevorstehenden Handover '97 aus der Hand der Briten zurück an die Chinesen verstärkt international und damals v.a. westlich orientierten. Inklusive Außendrehs in fremder Herren Ländern, v.a. auch in Osteuropa, wo bspw. Downtown Torpedos (1997) gewerkelt wurden und Enter The Eagles (1998), und was hierbei (nach The Adventurers, 2017, und Europe Raiders, 2018) wieder zutrifft und ein vergnügliches, spätes Wiedersehen ist.
Getreu dieser Tradition mitsamt einiger nachscheinender Heroic Bloodshed Einflüsse wird sich auch hier schnell in globale Gefilde bewegen, darunter ein kurzer Abstecher nach Afrika gleich zu Beginn und dem dortigen Unterstützen von Kinder- und Flüchtlingscamp durch (chinesische) Ärzte ohne Grenzen und deren freiwilligen Pro Bono Engagement, was naturbelassen der derzeitigen geopolitischen Absicht der Volksrepublik und einen erster unguten Anschein vorm Buckeln vor den Geldgebern, darunter Jackie Chans Sparkle Roll Media entspricht. Gottseidank geht der Rest der Chose mehr in Richtung unbeschwertes Action-Entertainment der Mid Budget Gunst, wird nach einer kurzen Réunion seitens der 'Musketiere' hier auch schnell der entscheidende fatale Coup in die Geschichte gebracht und das bereits vorhandene Gefühl, dass zumindest bei einem der 'edlen Ritter' hier etwas faul sei auch tatsächlich als Clou in die Mitte des Plots und seinem folgenden Kugelhagel und Blechschaden auf den Straßen Budapests und anderswo gerückt.
Ansonsten hat sich wirklich nicht viel verändert, sieht man trotz aller Bemühungen, Hollywood in seinem Aufwand gleichzuziehen immer und weiterhin etwas preiswerter als dort aus und wie mit Absicht in die zweite Klasse gesetzt bzw. dort verharrend; gerade die erste größere Aktion in einer stillgelegten Zugfabrik und die anschließende Autohatz in der ungarischen Metropole ist trotz aller vorhandenen Vehikelstunts inklusive sich überschlagenden Autos, zur Seite kippenden Trams und explodierenden Karosserien stets eine Nummer kleiner wirkend und teilweise auch mehr oder minder gut und auch zu oft nachgeholfen und von den Effektleuten in Unnot getrickst; gerade die zweite Verfolgungsjagd auf den Straßen Japans vermischt sich unvermittelter Dinge zu einem großen Brei aus echten und aus 'falschen', sprich mit dem Computer teilweise oder auch komplett fabrizierten Einstellungen, was im Gesamten trotz viel Tempo eher abträglich ist. Die Anwesenheit eines ausgewiesenen Action Director hinter der Kamera selber und auf dem Regiestuhl (die dritte Regiearbeit von Chin Kar-lok, der ein Gutteil der aktuellen HK-Produktion als Choreograph, allen voran auch für Dante Lam überwacht und entscheidend für die Wucht der Cold War - Zweiteiler, von Helios, Line Walker, Firestorm u.a. gesorgt hat) bringt dennoch öfters die Pluspunkte in der behänden Montage hervor und lässt zuweilen die Bilder regelrecht vibrieren. Mauern werden durchbrochen, Stahlrollen durch die Gegend geschleudert und die Eingangshalle eines Polizeireviers zerdeppert; am Ende wird in Montenegro das feindliche Hauptquartier auf einer Insel mit ausreichend Akrobatik im Leib und Munition und Handgranaten im Gepäck und auch im offensiven Shoot to Kill - Modus im Expendables-Stil und so reichlich Opferzahlen auf der Seite der Schergen gestürmt.
Sowieso ist der Film mit seiner forschen Machart und dem druckvollen Gehabe, welches auch finanziell sichtlich unterstützt wird und in pittoresk-blutige Schauplätze versetzt ein kleines Wunder angesichts seiner Besetzung: die im Durchschnitt 50 oder älter sind, und von denen Keiner einen aktuellen Blockbuster vorzuweisen hat und kein Standing im chinesischen Filmgeschäft, und wo der letzte Erfolg eben auch zwei Dekaden her ist und noch im letzten Jahrtausend gesetzt.