Ein Junge fällt vom Dach und stirbt. Doch Schnee-Expertin Smilla Jaspersen, seine Nachbarin, glaubt aufgrund der Spuren nicht an einen Unfall. Sie ermittelt auf eigene Faust und gerät schnell in Visier von Staatsanwaltschaft und Killern.
Ich erinnere mich dunkel, dass um Smilla seinerzeit bei Release ein ganz schöner Wirbel gemacht wurde. Der von Eichinger produzierte Film ist damals ziemlich gehypt worden, wird für mich heute dem dadurch entstehenden Anspruch aber nicht gerecht.
Die Grundprämisse finde ich schon nicht übel. Eine Expertin für Schnee und Eis gab es meines bescheidenen Wissens nach bisher in einem Krimi. Was hätte man da bei den Ermittlungen draus machen können. Aber stattdessen wird das nahezu völlig außer Acht gelassen und zur Beiläufigkeit degradiert. Und bei der Staatsanwaltschaft und der Polizei wird hier auch nicht nachgedacht, man folgt einfach den (nicht gezeigten) Anweisungen von Macht und Geld und macht Jagd auf Smilla.
Die lässt natürlich nicht locker, gerät immer wieder in Gefahr und muss dann von ihrem Nachbarn, der in den unmöglichsten Situation plötzlich immer wieder auftaucht, gerettet werden. Dass er aufgrund seines Hintergrundes nicht mehr tut, nun ja, mutet auch ein wenig seltsam an.
Im Finale gibt es dann noch ein paar Schwachstellen in der Regie, wenn neben einem Schiff geschätzt 2-3 Meter Wasser bis zur Eiskruste zu sehen sind, beim Abseilen das Eis aber bis zum Rumpf reicht oder ein Harpunenschuss das Opfer 10+ Meter weit schleudert, aber ein an die Wand gepinnter Mensch schaut halt besser aus, als ein am Boden liegender. Oder so ähnlich. Und unzählige über die Laufzeit verteilte Rückblicke nehmen deutlich die Spannung. raus und erklären die Beziehung zu dem Jungen, sind aber nicht zwingend alle erforderlich.
Im Prinzip nicht schlimm, das hilft dem eh viel zu langsam erzählten Film aber letztlich auch nicht. Der ist eindeutig eine halbe Stunde zu lang und hätte etwas mehr Drive gut vertragen. Wobei die wenige auf die Laufzeit verteilte Action, wie z. B. der Untergang eines Schiffes, schon gut gemacht ist.
Auch der namhafte Cast spielt weitgehend gut, allen voran tatsächlich Julia "Smilla" Ormond, unter deren Blicken man zu Eis gefrieren könnte. Einzig Gabriel Byrne fällt wirklich etwas aus dem Rahmen, aber nicht, weil er schlecht spielen würde, sondern weil er in seinen Blicken immer eine unterschwellige Drohung hat und das passt einfach nicht zum stotternden Lover und Sidekick. Aber anders kann er vermutlich nicht.
Leicht schnarchiger, zu lang geratener Thriller in herrlich eisiger Atmosphäre, Gletscher-Kulisse und feiner, stimmiger Musik. Rein optisch ist das zum Bibbern gut, aber Story und Inszenierung hakeln ein bisschen.