Review
von Leimbacher-Mario
On-Air Witch Project
„Gonjiam: The Haunted Asylum“ ist ein weiterer Vorbereitungsfilm auf die diesjährigen Fantasy Filmfest Nights, da Regisseur Jeong Beom-Sik dort seinen neuesten Streich laufen lässt und weil sein noch interessanter wirkender „Gidam“ für mich nirgends aufzutreiben war. „Gonjiam“ wirkt sehr westlich, auf den Spuren von sowas wie „As Above, So Below“, „Grave Encounters“ oder dem letztjährigen Tipp „Deadstream“. Eine Gruppe von YouTube-„Stars“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gespenstigsten und sagenumwobensten Plätze der Welt zu besuchen und ausgestattet mit GoPros und Co. den neugierigen Zuschauern einen unterhaltsamen Einblick eventuell in das Jenseits zu bieten. Doch in dieser ehemaligen, heruntergekommenen koreanischen „Klapsmühle“ bekommen sie es mit weit mehr zu tun als ein paar durch den Wind zuschlagende Türen und einer großen, overactenden Schreishow…
Lange Zeit bleibt „Gonjiam“ generisch, erstaunlich „unkoreanisch“ und austauschbar. Die erste Hälfte, vielleicht sogar noch etwas länger, samt Charaktereinführung und gefaketer Elemente, ist naja bis nervig. Wirklich nichts Besonderes. „Heilstätten“ lässt fast grüßen. Die Hexe aus dem Blair-Wäldchen selbstredend auch. Doch danach, wenn es ernst wird, kommt dieser Found Footage'ler zum Glück noch gut in Fahrt. Die Übergänge zwischen Show und Panik verschwimmen, die Erscheinungen sind echt gut gemacht, designt. Die Jumpscares sitzen und werden nicht übertrieben. Die asiatische Folklore wird effizient benutzt. Alles hat einen fiesen Unterbau und eine unentkommliche Stimmung. Das spürt man schnell und durchdringend. Da wünscht man sich definitiv, dass der Auftakt flotter und die Figuren einem näher wären. Doch dem ist leider nicht so.
Fazit: etwas nerviger, moderner, insgesamt kompetenter und später sogar sehr gemeiner Found Footage-Horror, der leider etwas lange Anlaufzeit nimmt. Doch das Warten lohnt sich. Die zweite Hälfte „delivers the goods“.