Ein Film wie „Wolfsnächte“ weckt rasch falsche Erwartungen bei Zuschauern, die Überlebensabenteuer in der Wildnis, angereichert mit Wölfen als primäre Bedrohung erwarten. Regisseur Jeremy Saulnier lässt sich 125 Minuten Zeit, zahlreiche Mythen über die düstere Natur des Menschen aneinanderzureihen.
Autor und Wolfsexperte Russell (Jeffrey Wright) wird von der jungen Mutter Medora (Riley Keough) in den Norden Alaskas gebeten, um den Wolf aufzuspüren, der ihren Sohn verschleppte. Als er nach einer ausgiebigen Suche zurückkehrt, ist Medora verschwunden, während ihr Mann Vernon (Alexander Skarsgård) vom Einsatz im Irak zurückkehrt…
Ein wenig drängt sich der Vergleich zu „Wolfen“ von 1981 auf, der ähnliche Themen in anderer Kulisse thematisierte: Wölfe und die dazugehörigen Mythen, Indianer und ihre Rolle in der Gesellschaft und nicht zuletzt ein Menschenbild, das nicht nur von der isolierten und nur selten sonnigen Kulisse geprägt ist.
Im ersten Drittel der Erzählung werden die Figuren prägnant auf den Punkt skizziert: Russell wirkt selbst wie ein einsamer streunender Wolf, der den Anschluss an die Herde (den Kontakt zur Tochter) verpasste, während Vernon offenbar bereits seit geraumer Zeit mit unnachgiebiger Härte die eigenen Interessen verfolgt. Bei einer Vergewaltigung durch einen Kameraden greift er beherzt ein, indem er dem Peiniger mit dem Messer richtet, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Auch die Indianer im Ort fühlen sich benachteiligt, was in einer recht blutigen Angelegenheit zum Ausdruck gebracht wird.
Nach einer Weile wird allerdings der erzählerische Faden verloren und zahlreiche Nebenschauplätze und Figuren eingebunden, die für den eigentlichen Kern irrelevant sind.
Zwar benötigt es nicht immer vieler Worte, doch die hier vorzufindende Schweigsamkeit lässt das Geschehen noch langsamer erscheinen, als es ohnehin vonstatten geht.
Dagegen erzeugen die gelungenen Landschaftsaufnahmen zwar eine dichte Atmosphäre und zuweilen vermag auch das Mystische zu punkten, doch durch das zigfache Ausbremsen der Erzählung flacht das Interesse zusehends ab.
Zudem wird die Geschichte nicht komplett schlüssig aufgelöst, es entsteht ein leicht bitterer Beigeschmack in Sachen Moral und obgleich die Action die Lethargie zuweilen aufbricht, kommt diese doch recht unglaubwürdig daher, wenn es einem Dutzend Cops nicht gelingt, einen Schützen in zehn Metern Entfernung nach Ortung des Mündungsfeuers unschädlich zu machen. Immerhin geht mit der Action eine Reihe harter Gewalteinlagen mit blutigen Einschüssen einher.
Trotz passabler darstellerischer Leistungen und einem insgesamt tauglichen Score gelingt es Saulnier nicht, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Aspekte wie Inzucht, Einsamkeit oder Parallelen zur Welt der Wölfe werden oft nur angerissen und nicht näher vertieft und auch die Vierbeiner selbst sind nur selten zu sehen. Wer es meditativ mag, könnte mehr Gefallen an der Chose finden, erzählerisch ist das für die Laufzeit von etwas über zwei Stunden jedoch oft an der Grenze zum Einnicken.
5 von 10