Während eines Orkans ist die Insel Helgoland von der Außenwelt abgeschnitten; neben anderen eingeschlossenen Gästen hält sich dort auch die junge Comic-Zeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) auf. Zur gleichen Zeit erhält Gerichtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) in Berlin während der Arbeit an einer Leiche eine in dieser versteckte Botschaft, daß seine Tochter entführt wurde. Um diese wiederzufinden, muß er in einer Art Schnitzeljagd verschiedene (Tat-)Orte aufsuchen, an denen der Täter jeweils weitere Hinweise versteckt hat. Begleitet bzw. chauffiert vom jungen Praktikanten-Schnösel Ingolf von Appen (Enno Hesse) jagt Herzfeld atemlos durch Norddeutschland und muß dabei die junge Linda dazu bringen, eine auf Helgoland befindliche Leiche für ihn zu sezieren, da diese weitere Hinweise enthält. Die Vorgangsweise des ebenso raffinierten wie psychopathischen Täters erinnern Herzfeld an einen jahrealten Fall, bei dem ein Kinderschänder vor Gericht eine sehr milde Strafe erhielt, auch weil er, Herzfeld, damals als Sachverständiger das Gericht nicht belügen wollte...
Ein bundesdeutscher Psychothriller, basierend auf einer Romanvorlage mit einem auch aus Komödien bekannten Hauptdarsteller ist eine nicht sonderlich erfolgversprechende Konstellation, dennoch ist Regisseur Christian Alvart (Steig.Nicht.Aus!) mit dem doppeldeutigen Abgeschnitten ein über weite Strecken zwar nicht packender, aber immerhin unterhaltsamer Krimi geglückt, der hauptsächlich von seinem Erzähltempo und - vor allem in der ersten Hälfte - einigen unerwartet ekelhaften Leichen-Schnippeleien lebt. Die immer neuen Puzzle-Teilchen, wer hinter den übertrieben grausamen Spielchen à la Jigsaw oder Sieben stecken könnte, lassen dabei die immer größer werdenden Logiklöcher etwas in den Hintergrund treten, während Bleibtreu und Bauer zumindest auf angemessenem Niveau performen.
Die versteckten Hinweise (eine Kapsel mit einer nur unter dem Mikroskop zu lesenden Handynummer oder ein Foto in einer gelben Überraschungsei-Hülle in der Kehle eines Toten) kontrastieren immer wieder mit allzu offensichtlichem Unsinn (wie einem Toten, der seinen Namen auf dem T-Shirt stehen hat oder einem Rettungshubschrauber einer Autofirma [sic!], der trotz absolutem Flugverbot nach Helgoland fliegt), wie auch die Todes- und Foltermethoden völlig übertrieben erscheinen (die schwer erträgliche Vergewaltigung eines Teenagers oder der Besenstiel im Anus einer Richterin) und schon dadurch für die notwendige Distanz beim Zuschauer sorgen - wobei Letzteres möglicherweise der (mir nicht bekannten) Buchvorlage geschuldet ist. Zum Ende hin ergibt sich dann noch ein ziemlich verunglückter Plot Twist, der kaum Sinn macht, wie überhaupt einige Fäden ins Nichts führen.
Leider merkt man Abgeschnitten mit zunehmender Laufzeit auch eine gewisse TV-Lastigkeit an, was sich hauptsächlich in überflüssigen Witzchen (wie der politisch korrekt gebrochenen Nase eines Hundequälers oder dem übertrieben bescheuerten Insel-Hausmeister) und die Story nicht weiterbringenden Einfällen (der gelangweilte Jung-Millionär, der einen Direktor für seine Stiftung sucht - wtf?) bis hin zu völlig unrealistischen Begebenheiten (wie der zum Leben erwachende Leichensack) äußert. Manche Dinge (wie z.B. das Einbrechen ins Eis) hätte man besser einfach weggelassen und dafür den wenigen Filmcharaktären ein wenig mehr Tiefe verliehen, denn keiner der auftretenden Akteure - noch nicht einmal die fiese Visage des Kinderschänders - vermag einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Somit bleibt Abgeschnitten ein mit 2 Stunden Laufzeit eher überlanger Thriller (fürs TV-Format sowieso), der dank der tadellos eingefangenen winterlichen Location und einiger Ekelszenen über weite Strecken zumindest keine Langeweile aufkommen läßt. 6 Punkte.