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Good Old Times at the El Royale

Ein zweigeteiltes Hotel, mitten auf der Staatsgrenze von Kalifornien und Nevada, eine Handvoll zwielichtiger Figuren, von denen jede noch eine zweite Identität (oder Schlimmeres) im Kofferraum hat und eine verborgene Tasche voller Geld – lasst die Spiele beginnen!

Nach seinem Meta-Horrorfilm THE CABIN IN THE WOODS erfüllt sich Autor, Regisseur und Produzent Drew Goddard den langgehegten Traum eines Film Noir im überhöht-authentischen 1969er-Look, der das Genre weder neu erfindet noch ironisiert oder wissend kommentiert, sondern im besten Sinne ganz altmodisch Spaß beim Zusehen bereitet. Und damit Tarantino und Epigonen (wie Drew Pearce mit seinem HOTEL ARTEMIS) zeigt, wie man heute einen guten Ensemblefilm macht. Nämlich mit interessanten Charakteren, für deren Zeichnung inklusive Backstorys der Film sich auch ausreichend Zeit nimmt, und mit deren Interaktionen, in denen echte Chemie zu spüren ist.

Ein Reviewer auf Letterboxed schrieb treffend, Goddard hätte wohl nach Sichtung von THE HATEFUL EIGHT gedacht „no no no no, this is all wrong. it’s fine, i’ll do it myself“.

Dass BAD TIMES so ein rundum gelungenes Vergnügen ist, liegt zum einen natürlich an den Darstellern, bei denen überraschenderweise Film-Newcomer (und Broadway-Star) Cynthia Erivo die Show stiehlt (sowohl mit ihrer Gesangsstimme als auch mit ihrer starken Performance), aber auch die Bildgestaltung, der Score und die Songauswahl sind vom Feinsten. Eine Straffung von etwa 10 bis 15 Minuten (der Film läuft 2 1/4 Stunden) hätten zwar gut getan, andererseits sieht man den Figuren gerne zu, weil es zwar Stereotypen sind, aber keine Klischees – bis auf Chris Hemsworths Billy Lee vielleicht, aber der scheint ohenhin in seinem eigenen Film zu spielen und bringt dann auch die Geschichte zu Eskalation und Abschluss.

Spannend ist BAD TIMES obendrein und wenn uns Drew Goddard ein ums andere Mal den Hotelteppich unter den Füßen wegzieht, dann mit einem Knalleffekt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Natürlich kennt man auch den Kniff, entscheidende Situationen später nochmal aus der Perspektive anderer Figuren zu sehen, insbesondere aus Tarantinos PULP FICTION, aber zum einen ist das nicht die schlechteste Messlatte und zum anderen passen solche inszenatorischen Drehs hier so organisch zum Gesamtbild, dass man meinen könnte, Tarantino hätte sie aus dem EL ROYALE mitgebracht.

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