Review

kurz angerissen*


"Bad Times At The El Royale" bietet Ausstattung, Darsteller, Kamera und Musik vom Allerfeinsten. Sollte mal jemand im aussterbenden Format des linearen Fernsehens irgendwann in diesen Film reinzappen - ganz egal an welche Stelle - wird derjenige wohl für ein paar Minuten in Hypnose verharren und sich fragen, ob sich da in der vorherigen Auswertung unbemerkt ein Meisterwerk vor ihm versteckt hat.

Wie wichtig allerdings nicht nur die Ingredienzien sind, sondern gerade deren Verbindung, das wird dann klar, wenn man den zweieinhalbstündigen Ensemble-Thriller wie eigentlich vorgesehen am Stück anschaut. Mit dem Kontext geht auch ein beachtlicher Teil der Faszination für das skurrile Grenzlandhotel und seine Besucher flöten. Je mehr der Betrachter mit Informationen angefüttert wird, desto weniger interessant erscheint das Gesamtbild. Geheimgänge, Abhörwanzen, Doppelidentitäten - mit der Paranoia der Nixon-Ära ist ein übergreifendes Thema gewählt, das wie geschaffen ist für Hitchcock'sche Genre- und Figurenkonstellationen, aber wo es den Vorbildern nicht an einer gemeinsamen Erfahrbarkeit der Situation mangelt - sei es die Party in "Cocktail für eine Leiche" oder das Boot in "Das Rettungsboot" - wirken die Überkreuzungen bei Drew Goddard konstruiert, hochgradig zufällig und sehr bemüht.

Während die erste Hälfte diese Problematik noch relativ gut im Griff hat, auch weil man immer noch wie benebelt ist von dem Look des charismatischen Schauplatzes und vom Produktionsdesign im Allgemeinen, scheitert die zweite Hälfte und dort vor allem der letzte Akt mit Chris Hemsworth an ihr. Auf einmal fällt das ganze Konstrukt zu einer bloßen Groteske zusammen, die mit eskalierender Waffengewalt erzwingen will, was im Suspense-Kino der 60er Jahre noch mit einer einfachen Dialogzeile zu erreichen gewesen wäre: Einen von Fremden gemeinsam erlebten Konsens. Vermutlich möchte Goddard ja sogar darauf hinaus, dass sich die multikulturelle amerikanische Identität eben aus Fragmenten bildet; seiner Arbeit verhilft das aber auch nicht zu mehr Geschlossenheit.


*weitere Informationen: siehe Profil

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