Review
von Leimbacher-Mario
It Will Rock You!!!
Manchmal wirkte das wie ein aufgeblähtes TV-Biopic, alles ist arg glatt, wenig ruppig und viel zu sauber, die sonstigen Bandmitglieder kommen sehr kurz und der Queen-Stiefel wird relativ safe runtergespielt, richtig seltsam und ärgerlich ist sogar die Darstellung der Gayszene (ein Kritikpunkt, mit dem man, wenn man sich daran aufhängt, den Film zerfleischen kann) - und dennoch hatte ich nicht nur am Ende Tränen in den Augen. Das ist die Magie und Macht von Queen, von Freddie Mercury und auch von einem triumphal aufspielenden Rami Malek. Kann man mit dieser Musik und einem so legendären Protagonisten überhaupt einen schlechten Film machen? Die Frage darf man sich durchaus stellen. "Bohemian Rhapsody" ist jedenfalls ein richtig guter, mitreißender und lauter Film. Das darf er auch, das muss er sogar. Wir folgen Farrokh Bulsara, später besser bekannt als Freddie Mercury, wie er seine Bandmitglieder kennenlernt, wie sie eine der spektakulärsten Bands aller Zeiten schufen und wie dieses Jahrhunderttalent so hell leuchtete, dass es viel zu früh verglühen musste...
Völlig zu recht entwickelt sich Bryan Singers Queen-Ode zu einem der Publikumslieblinge des Jahres. Mit Ansage. Mit der unsterblichen Musik kann man wie gesagt kaum etwas falsch machen. Die Songs reißen einen von den Stühlen, da kann es im Kino schonmal zu spontanen Klatschanfällen kommen. Auch ich hatte öfters Gänsehaut und war von Freddys Persönlichkeit mit Haut und Haaren eingenommen. Und dabei bin ich noch nichtmal richtig großer Fan der Band. Rami Malek spielt den extrovertierten Frontmann aufopferungsvoll und mutig, selbst wenn ich am Anfang dachte, sie übertreiben es etwas mit dem Überbiss und ich die Interpretation von Sasha Baron Cohen auch gerne gesehen hätte. Das wäre sicher ein ganz anderer, dunklerer Film geworden. Nun ist alles eher hell, bunt, oberflächlich und glitzernd. Passt auch irgendwie, doch es hätte ruhig etwas tiefer gehen dürfen. Es wirkt eher wie ein Studiofilm, nicht wie der eines leidenschaftlichen Regisseurs. Sozusagen das packendste Retortenprodukte, das ich je gesehen habe. Es rockt heftig. Da sind die unfertigen Computermassen am Ende auf dem Live Aid-Konzert oder etliche Straffungen, Flunkereien oder Halbwahrheiten über das außergewöhnliche Leben eines Genies nur kleinere Kratzer im extraschillernden Lack. Freddie ist und bleibt ein riesiger Verlust für die Welt. Dieser Film ist ein Gewinn und eine ansteckende Huldigung. Alles andere als perfekt, aber verdammt sympathisch und extrem in die Offensive gehend.
Fazit: eher etwas glatte Legendenbildung als tief gehendes Biopic, aber dennoch phänomenal mitreißend. Allein schon durch die einzigartige Musik und einen alles gebenden Rami Malek, der völlig in seiner Rolle verschwindet und vor unseren Augen zu Mister Mercury wird. Da wird jeder zum Queen-Fan!