Review

Glauben versetzt Gemälde


Weiter geht’s mit meiner Indie-Horrorreise durch das geistreiche Irland - „Don't Leave Home“ ist eine feine, kleine Empfehlung von der Insel über ein verschwundenes Mädchen, katholische Schuld, dunkle Wunder und mysteriöse Bilder... 

Mehr Irland als in Michael Tullys grün-gruseligem Slowburn-Alptraum geht wohl kaum: Wiesen und Wälder, Religion und katholische Kirche, Folklore und Furcht, Sekten und Suche, Mythen und Mysterien, Aberglaub und Alpträume, Zweiteilung und Geheimnisse, Erbe und Buße. „Don't Leave Home“ hat zudem einen sensiblen, sehr passenden Score, tolle Darsteller und einige wirklich unter die Haut gehenden Traumsequenzen, die die Machtlosigkeit und Verlorenheit in dieser Welt erstaunlich gänsehautig einfangen. Natürlich funktioniert auch dieser Geheimtipp am ehesten als Metapher auf die (katholische) Kirche oder Religionen allgemein und für mainstreamige Jumpscares-Sucher wird das nichts - doch für den geduldigen, konzentrierten Rest lohnht sich dieser Ausflug in das irische Sumpfland durchaus! Ein Culture Clash der unterschwellig sehr beunruhigenden und eindringlichen Art und Weise. Gourmetempfehlung. Vielleicht mit einem netten, sanften, grünen irischen Whiskey. Oder einem giftig-klaren Poitin/Moonshine... 

Fazit: irischer Gruselgrüni mit Stil. Ein Moodpiece. Adrett, atmosphärisch, allerliebst alptraumhaft. Zumindest in seinen besten Momenten. Ansonsten leider auch oft etwas lahm, lax, lasch. Insgesamt aber ein hübsches, leicht übernatürliches Drama auf Moos, Malerei und Mystery. Gut. „Rosemaries Baby“ + „The Devil's Candy“ + „Hereditary“ minus Tempo. 

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