Review

Wenn mir einer erzählt, in einem Film geht es um einen Gaul, der nach einem Reitunfall völlig verstört zu einem sogenannten „Pferdeflüsterer“ kommt, dieser sich nebenbei in die Mutti des Mädchens verliebt, das am Unfall beteiligt war und nebenbei noch Familienprobleme gelöst werden, dann kann nehme ich normalerweise beide Beine in die Hand, um möglichst schnell vom Fernseher wegzukommen. Bei „The Horse Whisperer“ hab ich dann doch eine Ausnahme gemacht, schließlich hat Redford als Regisseur schon „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ zu einem optischen Leckerbissen gemacht.

Mit „Der Pferdeflüsterer“ verhält es sich nicht viel anders: Nach dem graphisch überraschend drastischen Reitunfall wird uns Familie McLean vorgestellt, schon bald darauf geht es ins ländliche Montana, wo Tom Booker (der Marlboro-Mann lässt grüßen!) fortan versucht, das Pferd „Pilgrim“ von seinen psychischen Qualen zu befreien. Die Stärke des Films lieg wahrlich nicht in der Charakterzeichnung, obwohl alle wichtigen Figuren genügend Aufmerksamkeit geschenkt bekommen, und auch nicht in der Story, bei der nun wirklich jede Entwicklung so vonstatten geht, wie es sich für eine epische Hollywood-Romanze gehört. Vielmehr vertraut Redford auf seine Landschaftsaufnahmen und fördert so das Verständnis für die Lebensweise auf einer Pferderanch mitten in einer Gegend, wo Alltagshektik ein Fremdwort ist. Eine Karrierefrau mitten unter raubeinigen Cowboys – dieses Rezept funktioniert in Verbindung mit den grandiosen Naturbildern recht gut und macht manche Länge verschmerzbar.

Selbstverständlich gibt es überdies die obligatorische Portion Herzschmerz zum Schluss, denn obwohl Papa MacLean seiner Frau vorher alle Freiheiten eingeräumt hat (was in den gefahren ist, muss mir wirklich mal jemand erklären), kommt es zum Abschied von der liebgewonnen Idylle und damit auch von Booker.
Sicherlich hat „Der Pferdeflüsterer“ so seine zähen Passagen, aber in Anbetracht dessen, dass mir solche Geschichten normalerweise am Allerwertesten vorbeigehen, ist Redfords Film überraschend gelungen. Sofern der Film von RTL nicht in Fast-Vollbild kastriert ausgestrahlt wird (schade um die epischen Landschaftsaufnahmen!), kann man sich diese beinahe drei Stunden Kitsch beruhigt gönnen!

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