Review

Weimarer Zombie Republik


Das lila und optisch sehr ansprechende Comic „Endzeit“ habe ich vor ein paar Jahren am Bahnhof spontan eingesteckt und auf der Fahrt lockerleicht verzehrt. War gut, wenn auch eher literarische Fast Food. Aber nett und eine milde Empfehlung, allein auf Grund des hängenbleibenden Looks. Da war der Film auch schon im Anflug und ich wollte ihn recht zügig gucken, allein für den Vergleich. Und ein Zombiefilm aus Deutschland gibt’s jetzt auch nicht jeden Tag. Und auch wenn ich die büchleinige Version noch ein Stück stimmiger und eindringlicher finde, ist auch „Endzeit“, der Film, ein fein verzehrbares Stück deutschsprachiges Genrefleisch, in dem nach einer Zombieseuche nur zwei Städte im Osten Deutschlands „überlebt“ haben und zwei unterschiedliche Frauen nun den Weg von Weimar nach Jena mehr oder weniger freiwillig auf sich nehmen…

„Endzeit“ kann sein Öffentlich-Rechtliches-Gefühl nie ganz ablegen, trotz der eher modernen, bunten und jugendlichen Vorlage. Doch auch trotz ein wenig Staub und Knirschen im Gebälk, allgemein eher wenig Zombieaction, hat dieser 90-Minüter seine Vorzüge. Beide Frauenfiguren sind glaubhaft gezeichnet, auch wenn die Protagonistin in ihrer Passivität und Ängstlichkeit manchmal nerven kann. Wenn es dann mal zu Untoteneruptionen kommt, dann packen diese zu. Und die philosophischen Fragen und Richtungsweise über Natur, Zukunft und Menschheit sind edelmütig und diskussionswürdig. „Endzeit“ ist alles andere als hohl, wird seinem Ursprung gerecht und passt in die „Fridays For Future“-Zeit, erinnert manchmal an ein ostdeutsches Zwitterwesen aus Zombies, Zauberern von Oz und dem noch besseren „The Girl With All The Gifts“ von vor ein paar Jahren. 

Fazit: das Comic ist hübscher, aber der Film hat auch seine Stärken. Wie eine Mischung aus „28 Days Later“ und einem naturalistischen Gedicht. „Endzeit“ ist ein recht außergewöhnlicher, intimer und ruhiger Zombie-/Apokalypsen-Film - nicht nur unter deutschem Licht! 

Details
Ähnliche Filme