Das Publikum feiert die Cinderella-Variante vor allem bei diversen Casting-Formaten, wenn ein völlig unterschätzter Underdog nicht nur die Jury überzeugt. Genau diese Ausgangsposition macht sich Regiedebütant Max Minghella zunutze und bastelt daraus ein Musikdrama, das primär auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten ist.
Violet (Elle Fanning) lebt auf dem Land und arbeitet als Kellnerin, wo sie auch ab und an kleine Bühnenauftritte absolviert. Als in ihrem Ort ein Casting für die Show „Teen Spirit“ stattfindet, meldet sie sich an und kommt in die engere Auswahl. Als Mentor steht ihr der ehemalige Opernsänger Vlad (Zlatko Buric) zur Seite und dann steht das große Finale in London auf dem Spiel…
Gelingt es einem Kandidaten bei der ersten Audition ins Schwarze zu treffen, ist der Sieg nur noch reine Formsache, - man erinnere sich beispielsweise an Paul Potts mit „Nessun Dorma“: Zunächst belächelt, danach gefeiert. Einen ähnlichen Werdegang soll Violet durchmachen, denn als unauffällige Chorsängerin träumt sie zwar schon lange von der großen Bühne, sie ist jedoch zu schüchtern und zurückhaltend, um das Publikum mitzunehmen, woran sie und ihr Mentor im Eiltempo arbeiten müssen.
Zwar bilden Violet und Vlad ein ansprechend sympathisches Team mit einigen Macken, doch werden weder angesprochene Schicksalsschläge (früh vom Vater verlassen, Tochter ewig nicht gesehen) vertieft, noch wird das Zusammenspiel durch Humor aufgelockert. Die Nebenfiguren bleiben indes auffallend blass und verleihen der Handlung allenfalls oberflächliche Facetten wie die befreundete Band oder ein vage anberaumtes Love Interest.
Zudem schläft die Konkurrenz gewissermaßen, denn die musikalischen Mitstreiter bleiben reichlich konturlos.
Gleiches gilt für die Musik, welche primär zeitgenössischen Mainstream liefert. Ein großes Manko ist hierbei die Auswahl der vergleichsweise leicht zu singenden Stücken, die keine sonderliche Range erfordern und somit zu keiner Zeit einen Gänsehautmoment bescheren.
Gefühlvolle Songs sind eher Mangelware, selbst beim Showdown wird mehr auf Bühnen-Performance gesetzt.
Darstellerisch sind die beiden Hauptrollen jedoch hervorragend besetzt. Elle Fanning gibt das zurückhaltende Landei ebenso überzeugend wie die schüchterne Sängerin, die sich zu einer kleinen Rampensau entwickelt. Gesangstechnisch liefert sie ebenfalls passabel ab. Zlatko Buric ergänzt den Werdegang treffend und gibt als grummeliger Alkoholiker mit verdrängten Problemen einen ordentlichen Kontrast ab.
Spätestens seit Aschenputtel gönnt man den vermeintlich grauen Mäuschen den Triumph oder die Erfolgsgeschichte. Folgerichtig sollte man bei vorliegender Geschichte keine Überraschungen erwarten, noch gerät die Angelegenheit sonderlich spannend, zumal die Competition gegen Finale arg abgekürzt wird. In Ansätzen sympathisch, doch auf musikalischer, als auch auf emotionaler Ebene nutzt er das Potential nicht genügend aus und steht letztendlich relativ austauschbar da.
5 von 10