Review

Science-Fiction trifft existenziellen Horror im Weltall


Also, ganz ehrlich: Wenn man Aniara rein vom Poster oder der Kurzbeschreibung her sieht, denkt man erstmal – okay, typischer Sci-Fi-Stoff: Die Erde ist kaputt, die Menschheit flieht, ein großes Raumschiff bringt Kolonisten zu einem neuen Planeten. Aber denkste. Dieser Film ist so viel mehr. Und vor allem: so viel düsterer.


Worum geht’s?

Die Aniara ist ein riesiges Passagierschiff – so eine Art Raum-Arche – die eine Masse an Menschen von der unbewohnbaren Erde auf einen neuen Planeten bringen soll. Soweit, so klassisch. Doch nach einem Navigationsunfall verliert das Schiff die Kurskontrolle und treibt ziellos durch das Weltall. Keine Vorräte, keine Hilfe, keine Hoffnung – und vor allem kein Sonnenlicht mehr.


Was dann passiert, ist... einfach nur heftig.

Der Film kippt irgendwann komplett aus dem Sci-Fi-Konzept raus und verwandelt sich mehr und mehr in ein Kammerspiel, das sich mit menschlicher Psyche, Wahnsinn, Verdrängung, Sektenbildung und ultimativer Resignation beschäftigt. Menschen flüchten sich in virtuelle Traumwelten, gründen absurde Kultgemeinschaften, haben nihilistische Orgien – oder zerbrechen ganz leise innerlich.

Es geht hier weniger um Raumschiffe und Technik, sondern darum, was Menschen ohne Hoffnung werden.


Audiovisuell? Unterschätzt gut.

Der Look ist nüchtern, fast steril – aber genau das macht’s so wirkungsvoll. Der Score ist minimalistisch, aber verstörend. Die CGI ist sparsam, aber funktional. Alles fühlt sich kalt, leer und hoffnungslos an – genau wie die Situation an Bord.


Das Ende? Offen, aber nicht billig.

Nach Jahren oder Jahrhunderten – der Film bleibt da vage – erreichen letzte Überlebende (vielleicht?) die Umlaufbahn eines Planeten. Sonnenstrahlen treffen durch die Fenster. Die Algenreaktoren, die als letzte Hoffnung für Nahrung dienten, könnten wieder arbeiten.

Aber ob das was bringt? Keine Antwort. Kein Happy End. Nur ein vager Funken Hoffnung in einem Meer aus existenzieller Leere.


Fazit:

Aniara ist definitiv kein Popcorn-Sci-Fi. Der Film ist sperrig, düster, fordernd und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Wer auf tiefgehende, psychologische Science-Fiction steht, die einen nicht mit Actionszenen ablenkt, sondern in menschliche Abgründe schauen lässt, der wird hier fündig – und wahrscheinlich völlig überrumpelt.

Ein absolut unterschätzter Film, den man nicht so schnell vergisst.

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