Slaveheart
„Outlaw King“ erzählt von, aus und über Schottland und seinen ausgestoßenen „König“, während es nach dem Tod von William Wallace etwas ins Chaos fällt und um Unabhängigkeit, Recht, Freiheit gegen England kämpft…
Beeindruckend unbeeindruckend
Als seelenloses Schlachtengetümmel, als luxuriösestes LARPER-Treffen oder als schottisch-schlappes Mittelalter-Best-Of könnte ich „Outlaw King“ bezeichnen. An einem schlechten oder gemeinen Tag. Denn selten hat mich ein dermaßen hübscher und detailreicher Film derart kalt gelassen… Erst recht wenn der Schatten von „Braveheart“ sich über alles legt. Das sind unfaire Fußstapfen! Und dabei hat „Outlaw King“ ohne Frage seine jederzeit sichtbaren Qualitäten. Selten waren die schottischen Landschaften epischer, selten waren Kostüme und Atmosphäre dieser Zeit hochwertiger, selten hat man Chris Pine intensiver und beseelter gesehen, selten wurde allgemein diese Zeit nach William Wallace erzählt. Auch der Score trumpft dick auf. Audiovisuell spielt „Outlaw King“ in der höchsten Liga seines Subgenres. Hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Aber was hilft das, wenn mich die vielen Ritter, Burgen und Schlachten nichts angehen? Wenn mir schnell egal ist, wer hier warum auf den Thron steigt? Wer hier mit wem Ringelpiez mit Anfassen spielt und wer hier ausgeweidet wird? Für mich und mein Gefühl verkommt „Outlaw King“ zu einem Bildschirmschoner der schottischen Highlands mit verschwitzten Bärten, Lagerfeuergejammer und politischen Intrigen zwischendurch. Wirklich schade um die erhabenen Bilder…
Fazit: Top ausgestattet, aber etwas arg spannungsarm. Erst recht im Schatten von Gibsons Überepos. Guckbar, solide, das finale Matschgetümmel ist eines der krassesten filmischen Schlachtengemälde aller Zeiten... aber der letzte Funke fehlt… Da hatte ich von „Hell or High Water“-Regisseur Mackenzie mehr erwartet. Aber schlecht ist’s auch nicht.