In einer nicht allzu fernen Zukunft irgendwo in den Staaten lebt ein Vater mit seiner Tochter in einer heruntergekommenen Bude am Stadtrand. Die verhängten Fenster und vielen Schlösser am und im Haus lassen zunächst auf einen paranoiden Papa (Emile Hirsch) schließen, doch der hat trifftige Gründe, seine Tochter vor der Außenwelt zu verstecken. Zumindest behauptet er das, wenn er von "bösen Menschen da draußen" spricht, die sie beide "erschießen" wollen - was das Kind, das seine Mutter verloren hat, ihm auch lange Zeit abnimmt.
Doch Töchterchen Chloe (Lexy Kolker), gerade 7 Jahre alt, will irgendwann auch ihren Dickkopf durchsetzen. Durch einen Spalt erspäht sie draußen einen Eiswagen, der ihr so interessant vorkommt, daß sie zum ersten Mal das Verbot ihres Vaters ignoriert und ins Freie tritt. Der Fahrer des Wagens, ein mürrischer alter Mann (Bruce Dern), zeigt großes Interesse an der Kleinen und nimmt sie in seinem Eiswagen ein Stück mit. Er möchte irgendetwas ausprobieren und redet behutsam auf Chloe ein, doch erst als er sie auf einem Spielplatz viel zu hoch schaukeln läßt, zeigt sie ihren Widerwillen. Als sie dann noch einen herbeigerufenen Polizisten dazu bringt, die gezückte Waffe wieder einzustecken, ist sich der Eiswagenfahrer, der sich als ihr Großvater vorstellt, endlich überzeugt, daß Chloe über besondere Kräfte verfügt.
Tatsächlich kann Chloe durch reine Willenskraft andere Menschen dazu bringen, völlig entgegen deren Überzeugung Dinge zu tun. Und ab diesem Tag probiert sie dies an verschiedenen Leuten aus, zuerst an ihrem Papa, der mit ihr schimpft, weil sie draußen war, dann am Großvater, am Nachbarsmädchen, deren Mutter etc. Diese Fähigkeit, die sie in den Augen normaler Menschen zu einem titelgebenden Freak macht, ist jedoch durchaus gefährlich, und so dauert es nicht lange, bis auf die Bekämpfung solcher "Freaks" spezialisierte Einsatzkommandos auftauchen...
Eine junge Superheldin steht im Mittelpunkt des Sci-Fi-Familiendramas Freaks – Sie sehen aus wie wir, das sich lange Zeit rätselhaft gibt und den Zuschauer völlig im Unklaren darüber läßt, um was es eigentlich geht. Die verwendete Perspektive einer 7-Jährigen, die eine für sie neue Welt da draußen entdeckt, trägt keineswegs dazu bei, die Zusammenhänge zu verstehen oder gar Sympathien zu wecken. Im Gegenteil, Chloe stellt sich schnell als nervtötendes Rotzblag heraus, das mit lautem Geschrei seine Umwelt terrorisiert und weder vom Vater noch vom Großvater zu bändigen ist.
Was die schauspielerischen Leistungen angeht, herrscht hier Mittelmaß vor, aus welchem gerade mal Bruce Dern als knorriger Grandpa ein wenig herausragt - rollenbedingt allerdings zu wenig, um im Gedächtnis zu bleiben.
Das Konzept der Regisseure Zach Lipovsky und Adam B. Stein scheint vor allem darin zu bestehen, Mitleid mit den Grundbedürfnissen einer 7-Jährigen zu erzeugen, die von der Außenwelt abgeschottet ohne Mutter aufwuchs und nun einiges nachzuholen hat. Daß sie dabei die gleichaltrige Tochter der Nachbarn terrorisiert, indem sie sich nachts in deren Gedanken breitmacht und mit ihr kuscheln will, wird als ebenso normal vorausgesetzt wie das unerwartet blutige Opfern von nicht-Freaks, um sich selbst zu tarnen.
Das ganze Konstrukt der Freaks, die man nur daran erkennt, daß sie Blut weinen bzw. blutige Tränen haben, ist ohnehin völlig hanebüchen, genauso wie die schießwütigen Killerkommandos, die auf einen speziellen Code reagieren und mit modernsten Kampfdrohnen ihre Gegner vernichten wollen. Warum das so ist, wird übrigens nie erklärt, und so fehlen dem Streifen nicht nur Sympathieträger, sondern auch ein - wie auch immer gearteter - logischer Hintergrund.
Gerade wenn man als genervter Zuseher diese Ungereimtheiten halbwegs akzeptiert hat, kommt dann der nächste Klops: Papa und Großvater verfügen nämlich ebenfalls über besondere Kräfte, und zwar solche, die noch viel mächtiger sind als die Gedankenbeeinflußung der Kleinen. Diese Superkräfte aber stellen das ganze bisherige Verhalten völlig in Frage, denn mit der konsequenten Anwendung dieser Fähigkeiten (u.a. Zeitsprünge, Zeit anhalten, Mega-Airbags) wäre es gar nicht nötig gewesen, das Kind die ganze Zeit zu verstecken oder so penibel auf die Außenwelt zu achten. Aber dann hätte man diesen hirnlosen Schwachsinn auch nicht so schön in die Länge ziehen können.
Und weil es so schön zum Zeitgeist passt, ist Mami dann auch gar nicht wirklich tot (das sind nur Nachbarn, Polizisten, ein harmloser Koch etc.), sondern am Ende wieder quicklebendig und mit der strahlenden Tochter glücklich vereint - ein überaus kitschiges Ende, das diesen drehbuchtechnischen Müll passend abschließt. Prädikat absolute Zeitverschwendung: 1 Punkt.