Es geschieht beileibe nicht alle Tage, dass ein deutscher Film, dazu eine Independent-Produktion ein englischsprachiges Remake erfährt. Ernüchternd ist hingegen, dass der Streifen bereits 2018 abgedreht wurde und nun in der Horror-Reihe von Blumhouse untergekommen ist, obgleich er keineswegs dem Horrorgenre zuzuordnen ist.
Als Vater Jay (Peter Sarsgaard) mit seiner 15jährigen Tochter Kayla (Joey King) auf dem Weg zu einem Wochenend-Seminar unterwegs ist, gabeln sie unterwegs zufällig Kaylas Freundin Britney auf. Als die Mädchen zum Austreten im verschneiten Wald verschwinden, ertönt plötzlich ein Schrei. Jay findet seine verstörte Tochter auf einer Brücke vor, die vorgibt, Britney absichtlich in den Fluss gestoßen zu haben. Daheim entschließen sich die getrennt lebenden Eltern (Mireille Enos als Mutter), die Tat ihrer Tochter zu vertuschen…
Wie weit gehen Eltern, um ihr Kind zu schützen? Ein erster Gedanke wäre, die Begebenheiten gegenüber der Polizei als Unfall darzustellen: Die Mädchen waren ausgelassen, die Brücke glatt und Kayla stand unter Schock (Asthma-Patientin). Doch gerade weil die Mutter einen hohen Posten im Justizbereich innehatte, fallen die naiven Verhaltensweisen und Nachlässigkeiten der Eltern doppelt und dreifach negativ auf. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, doch auch ein vorbeifahrender LKW verfügt über einen Rückspiegel und jeder würde sich wundern, warum sich zwei Personen neben ein Fahrzeug ducken. Auch im Schnee werden eindeutige Spuren hinterlassen, mal ganz abgesehen von Auswertungen digitaler Kommunikationsmedien. Phasenweise ergibt sich die geballte Ladung Dummheit.
Derweil fallen die Figurenzeichnungen eher vage aus. Offenbar war Jay als Musiker zu häufig unterwegs, was schließlich zur Scheidung führte, während Kayla infolgedessen unter depressiven Schüben leidet und sich ritzt. Immerhin reagieren die Eltern zuweilen emotional auf die Situation, was angesichts der trostlosen Stimmung minimale Lichtblicke bildet. Zudem wirken die Umgebungen beinahe farbentleert, lediglich weiß und grau dominieren das Geschehen. Passend dazu performen Sarsgaard und Enos eher auf Sparflamme, wogegen King einige glaubhafte Nuancen offenbart. Make-up und Aufmachung sorgen darüber hinaus dafür, dass sie noch als Minderjährige durchgeht.
Schließlich folgt noch eine Wendung, die den einen oder anderen vor den Kopf stoßen könnte. Doch anderweitig ist das Offensichtliche zugleich das nahe liegende. Dadurch haftet dem Ausgang direkt eine zynische Note an, auch wenn die Angelegenheit mit unzähligen Logiklöchern und Unwahrscheinlichkeiten behaftet ist.
Schade, dass Regisseurin Veena Sud die Geschichte nicht etwas packender gestaltete, denn nur selten geraten Situationen brenzlig, weil die eine oder andere irrationale Verhaltensweise das erst ermöglicht.
Somit steht am Ende ein Familiendrama mit Thriller-Elementen, welches sich nicht lange mit moralischen Überlegungen auseinander setzt, es jedoch auch nicht schafft, auf dramaturgischer Ebene zu fesseln.
5 von 10