"Blumhouse" ist das Powerhouse in Sachen Grusel und Horror des frühen 21.Jahrhunderts – das ist inzwischen schon Allgemeingut: eine Firma, die mit kleinen Budgets, aber interessanten Ideen praktisch am Fließband Horrorstoffe produziert, die dann – vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern – riesig abräumen.
Wie es aber nun mal so ist, wenn man erst mal groß ist, dann probiert man alles Mögliche – so wie im Fall von „Welcome to the Blumhouse“, einer filmischen Anthologie, die von Amazon für „Blumhouse Television“ produziert wurde, acht Filme, zu „klein“ fürs Kino, aber geeignet für einen freundlichen Streamingabend…hoffte man…
„The Lie“ eröffnete 2018 den Reigen der (bisher) acht Filme aus dieser Reihe, die durchaus kontrovers bewertet wurde, aber vermutlich so kostengünstig produziert wurde, dass das kaum ins Gewicht fiel.
Die „Lüge“ ist nämlich noch bar jeglicher typischer Horrorbestandteile, es handelt sich mehr um einen psychologischen Thriller, der in wintriger Atmosphäre in eine Tragödie trudelt.
Am Anfang stehen die Probleme eines inzwischen getrennt lebenden Paares: Jay (Peter Sarsgaard) und Rebecca (Mireille Enos) haben sich getrennt und haben inzwischen neue „Verhältnisse“, was aber die Beziehung zu ihrer Teenagertochter Kayla (Joey King) ziemlich belastet. Weswegen die sich auch zu einem Balletwochenende abgeschoben fühlt, zu dem sie nicht wirklich hin möchte. Und unterwegs begegnen Vater und Tochter auch noch der Tanzmitschülerin Britney, die Jay im Fond ein paar Avancen macht. Das führt – während einer Pinkelpause im Schnee – zu einem Konflikt, nachdem Britney plötzlich verschwunden ist, von einer Brücke gefallen zunächst, von Kayla bewusst gestoßen, wie sie sagt.
Diese Tragödie stellt die Eltern nun vor ein Problem, denn an die Polizei ausliefern wollen sie ihre gemeinsame Tochter nun auch wieder nicht. Eine Suche nach der Leiche bleibt erfolgreich, nur das kaputte Handy und die Handtasche bleiben von Britney. Grund genug für eine Entscheidung, die Mitfahrgelegenheit gegenüber Dritten komplett zu leugnen. Das jedoch wird schwierig, als Britneys Vater bei ihnen auftaucht und nach seiner Tochter sucht, hartnäckig bleibt, verdächtigend wird, weil er Kayla nicht sprechen darf und schließlich die Polizei einschaltet: der Beginn einer fatalen Abwärtsspirale.
„The Lie“ ist klassisches Tragödienmaterial, bei dem man paradoxerweise auf der Seite der Falschen steht, die ja ein Verbrechen kaschieren wollen, was sie nicht mal selbst begangen haben und man mit jedem Fehler, jedem Stolperer mitfiebert. Zwangsläufig müssen die Getrennten wieder zusammenarbeiten, was nicht ohne Streit abgeht und trotz bester Absichten – die erzählerisch dadurch torpediert werden, dass Kayla ihr Mord offenbar nicht sonderlich nahegeht – fasziniert das Hängen und Strampeln in dem Netz, welches man hier sogar selbst gesponnen hat.
Das wäre ein stinknormaler Krimi, wenn die Story natürlich nicht noch einen Twist hätte – und so gut er ist, so erwartbar ist er auch. Wer halbwegs versiert im Thrillergenre ist, sieht die roten Flaggen natürlich schon früh, aber letztendlich ist es gar nicht das, was den Film ins Mittelfeld abrutschen lässt, vielmehr ist es der fehlende Drive, der die mögliche Spannung abbremst. Es geschieht zwar immer wieder etwas Neues, aber viele verbissene Diskusionen und der graue, farblose Look, bei dem das „Innen“ dem „Außen“ entspricht fügen sich nicht zu einer wirklichen Steigerung zusammen, sondern sind gleichmäßig nacheinander angeordnet – man arbeitet den Plot quasi nur ab, ohne wirklich mitzufiebern.
Als Familiendrama funktioniert er wesentlich besser, wenn beide Eltern dummerweise ihre Tochter nicht allzu sehr mit dem Geschehenen belasten wollen und stattdessen es statt besser zu machen, immer schlimmer werden lassen.
Insgesamt ergibt das einen soliden, gut abgestimmten Film über fatale Fehler, ohne wirklich zu glänzen, aber schon hier macht sich bemerkbar, was viele der WTTB-Filme an sich haben sollen: ihr Plot hätte auch in einer Stunde gut abgearbeitet werden können, die Stories wirken gestreckt. (6/10)