Review

Reservoir Frauds


„Standoff At Sparrow Creek“ befindet sich zwischen Verhör-Kammerspiel, Thriller-Theaterstück und leichten (carpenteresken) Neo-Western-Vibes - eine Gruppe militarisierter, rechter (?) Bürger verschanzt sich nach einem perfiden Anschlag bei einer Polizistenbeerdigung in ihren geheimen Hallen. Was ganz genau los ist, weiß keiner, doch die einzelnen Informationshäppchen tragen zu Paranoia und Angst bei - erst recht, weil eine passende Waffe in ihrem Vorrat fehlt und der massiv gesuchte Attentäter wohl unter ihnen sein muss...

Einen „Free Fire“ sollte hier keiner erwarten - wirklich viel geschossen wird in der redseligen Geschichte nicht. Ein „Reservoir Dogs“ sollte trotz meiner Überschrift auch keiner erwarten - dazu ist er zu grimmig und nicht scharf genug geschrieben. Sehr spannend und aufregend ist es dennoch, Langeweile muss man noch viel weniger erwarten. Es geht im Kern um Vertrauen, Wahrheit und Zugehörigkeit, um Gewalt, die Verhinderung dieser und dem Motto „Fight The System!“ bzw. was ist, wenn dieses zurückschlägt. Es geht um virale Angst, genauso wie ansteckenden Widerstand. Es gibt eine feine Farbpalette, griffige Figuren und eine gewisse Härte, auch ganz ohne viele Shootouts. Die Darsteller sind allesamt top aufgelegt und haben Charisma, die düstere, punktierte Beleuchtung verpasst dem Krimi eine ganz eigene Aura. Mir fehlen zwar etwas die ganz großen Highlights und Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Plus die Auflösung ist clever, aber nur halbwegs befriedigend. Sodass ich insgesamt sagen kann: einmal gerne gesehen - aber so schnell nicht nochmal. Bzw.: muss nicht unbedingt in die Sammlung! 

Fazit: konzentrierter und in seinen besten Momenten hochspannender Kammerspielkrimi, der viel erzählt, wenig tut und doch kurzweilig unterhält. Ein düsterer Balanceakt. 

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