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Irgendwo zwischen „Nightwatch – Nachtwache“ und „The Autopsy of Jane Doe“ ist das englischsprachige Debüt des Niederländers Diederik Van Rooijen angesiedelt. Obgleich man es nicht mit dem üblichen Exorzismusfilm zu tun hat, kristallisiert sich ein deutlicher Mangel an Kreativität heraus.

Die ehemalige Polizistin Megan (Shay Mitchell) beginnt ihre erste Nachtschicht in der Leichenhalle eines Bostoner Krankenhauses, als die Leiche der jungen Hannah Grace (Kirby Johnson) eingeliefert wird. Rasch findet sie heraus, dass Hannah bei einem Exorzismus starb, doch der Dämon scheint noch immer in ihr zu hausen und hält nun Ausschau nach neuen Opfern…

Die Handlung steigt dort ein, wo typische Besessenheitsfilme oftmals enden: Bei der Austreibung. Diese misslingt und so sieht Hannahs Vater (Louis Herthum) nur die Möglichkeit, seine Tochter zu ersticken. Ganze drei Monate ziehen ins Land, bis die Leiche schließlich in der Pathologie eintrifft und gleich mal sämtliche computergesteuerte Geräte außer Kraft setzt.

Dieses Hospital ist schon ein merkwürdiger Ort, denn Lichtsensoren funktionieren manchmal erst nach heftigem Armwedeln, Personal scheint auch kaum unterwegs und die erste Schicht muss die Neue nach kurzer Einweisung komplett allein übernehmen. Die schummrige Ausleuchtung sorgt immerhin für eine stimmige Atmosphäre, der Score hält sich zurück, wogegen mehr Wert auf ein ordentliches Sounddesign gelegt wurde, was durchaus für kleine Erschreckmomente sorgt.

Leider werden viele Klischees bedient, die von einem traumatischen beruflichen Erlebnis, über den Kollegen mit ähnlich gelagerten Problemen bis hin zu wohlbekannten Gruseleinlagen reichen. Es sei denn, ein wie von Geisterhand durch den Flur hüpfender Ball ist einem noch nicht untergekommen.
Der Spuk im Leichenschauhaus gestaltet sich derweil vorhersehbar, wobei Hannah als krebsartig kriechender Kadaver durchaus ihre Momente hat. Schade, dass Van Rooijen nicht verstärkt auf die Talente von Kirby Johnson vertraut, die nicht nur Tänzerin, sondern auch Verbiegungskünstlerin ist.

Somit geht es zwar einigermaßen kurzweilig und atmosphärisch zur Sache, jedoch kommt die dramaturgische Steigerung des finalen Akts eher mau daher, wozu auch die eher hanebüchene Auflösung passt. Darstellerisch wird indes nicht allzu viel abverlangt, wobei die attraktive Shay Mitchell auffallend zurückhaltend performt und im Verlauf eher durch Körpereinsatz punktet. Kameratechnisch wird wenig riskiert, die wenigen Make-up-Effekte und die überschaubaren Gewalteinlagen überzeugen allerdings.

Letztlich ergibt sich ein handwerklich ordentlicher, narrativ eher ideenloser Horror-Thriller, der das Potential der Geschichte sicht sonderlich subtil nutzt, um das Leichenschauhaus in eine kleine Geisterbahn zu verwandeln. Fällt einigermaßen unterhaltsam aus, ist aber rasch wieder vergessen.
5,5 von 10

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