Dem Begriff der Geisterbahneffekte haftet ja oft etwas negatives an, doch bei der zweiten Regiearbeit von Gregory Plotkin sind diese nahezu wörtlich zu nehmen. Zudem schwimmt er mit seinem Genrekonzept völlig gegen den Strom, indem er sich einem waschechten Slasher widmet.
Die sechsköpfige Gruppe junger Leute um Natalie besucht an Halloween den Horror-Themenpark „Hell Fest“, der mit zahlreichen Fahrgeschäften, maskierten Schaustellern und anderen Attraktionen seinen Gästen das Fürchten lehren soll. Als Natalie dem vermeintlich inszenierten Mord durch einen Maskenmann beiwohnt, ist sie nicht mehr sicher, ob hier alles nur Show ist…
Plotkin, der sich einen Namen als Cutter für „Get Out“ machen konnte, obgleich er sich bei seinem Regiedebüt „Paranormal Activity: Ghost Dimension“ nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, folgt in den meisten Belangen den Mustern des handelsüblichen Slashers.
Leider zählen hierzu ein paar nervige Figuren, welche einige grenzdebile Dialoge absondern, wodurch man allenfalls drei der sechs Twens ein Überleben wünscht.
Im Themenpark angekommen, wird indes rasch eine dichte Atmosphäre geschürt, denn die Ausstattung der Kulissen ist in einigen Fällen recht detailverliebt ausgefallen. Es gibt Labyrinthe, Schreckenskammern, skurrile Erscheinungen, makabere Ansagen über Lautsprecher und den fast schon obligatorischen Gastauftritt von Tony Todd als Zampano und Ansager. Sets, Masken, Sound und Belichtung ergeben eine ansprechende Einheit, bei der die meisten jump scares von den Attraktionen selbst ausgehen.
Der Kapuzenkiller bietet leider keine Abwechslung gegenüber Genrependants. Der Typ behält stets die Übersicht und scheint die Ruhe selbst, natürlich spricht er kein Wort, allerdings summt er ab und an eine Melodie. Sein blutiger Einsatz reicht vom zertrümmerten Schädel über Messerstiche, die auch mal vom Auge bis zum Hinterkopf reichen können, wodurch eine FSK16 gerade noch im Rahmen ist. Leider fällt der Bodycount unterm Strich nicht allzu hoch aus, obgleich der Schlächter unter den zahlreichen Besuchern durchaus häufiger hätte austeilen können. Über etwaige Motive erfährt man nichts, eine vage soziale Zuordnung erhält der Killer erst in der letzten Einstellung.
Im Kern bietet der Stoff Dutzendware mit nur wenigen Überraschungen und nicht allzu vielen Temposzenen. Demgegenüber punkten die oftmals kreativen, zuweilen morbide anmutenden Sets mit einigen Erschreckmomenten und die damit verbundene, teils dichte Atmosphäre.
Wer old school bevorzugt und auf Geisterbahn mit düsteren Einlagen steht, könnte hier ansatzweise glücklich werden, - eignet sich womöglich auch gut als Absacker an Halloween.
6 von 10