Review

Lieben und Leben lassen

"Bao" läuft momentan traditionell als Pixarkurzfilm vor dem zweiten Teil der "Incredibles" und hat mich wirklich berührt. Er handelt von einer älteren Frau, die für ihren Mann Dumplings macht und von denen der letzte Teigknubbel auf einmal ein Gesicht kriegt. Daher schwankt die süße Dame recht fix um von Essen auf Mamasein und zieht die zuckersüße Asia-Maultasche groß wie einen Sohn. Inklusive Beschützerinstinkt und der Verlustangst, als dieser irgendwann mal das Haus verlassen und sein eigenes Leben beginnen will...

Pixar weiß, wie man Kurzfilme macht. "Piper" oder "Partly Cloudy" sind meiner Meinung nach z.B. wahre Meisterwerke und Meilensteine der animierten Kurzfilmkunst. "Bao" spielt nicht ganz auf deren Niveau, doch er ist nahe dran. Vor allem, wenn es noch gar nicht allzu lange her ist, dass man das Elternhaus verlassen hat und/oder wenn es vielleicht gar nicht mehr so weit weg ist, bis eigene Sprösslinge das Nest verlassen können, wollen, müssen. Das ist mutig, reif, erwachsen und von bleibendem Wert. Keine leichte, seichte Unterhaltung, aber absolut gern gesehen und ein tränenreiches Gegengewicht zum darauffolgenden, lauten Superheldenabenteuer.

"Bao" zeigt mal wieder, wie unfassbar hübsch Pixar animieren kann und ist am Limit des aktuellen Technikstandards. Der Mix aus süßer Comicart bei den meisten Figuren und bestechendem Fotorealismus bei der Umgebung und den Gegenständen ist schlicht eine Freude für die Augen. Doch wie gesagt liegen hier mal wieder alle Augenmerke auf den Gefühlen. Inklusive Lachern, Seufzern und skurillen Überraschungen. Das kann mal düster werden, das spricht auch mal Tabuthemen oder auf den ersten Blick kinderunfreundliche Dinge an, doch im Endeffekt macht ihn das nur umso sehenswerter und wichtiger. Man kann mit seinem Nachwuchs ja auch mal reden und emotional schwierigere Themen oder gar Metaphern erläutern. Zu viel dürfte das nicht verlangt sein...

Fazit: rührende, wortlose Geschichte, die vor allem die Augen jeder Mutter anfeuchten wird, die mal einen Sohn hat ziehen lassen (bzw. vice versa). Kein Shorty-Classic von Pixar, aber kurz, knackig, eomotional und wunderhübsch. Metaphern sollte man allerdings verstehen und den Kleinsten erklären können...

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