Erst viele Jahre nach Erscheinen des Bestseller-Romans von Ann Patchett fand sich mit Paul Weitz ein Regisseur, der „Bel Canto“ umsetzen wollte, denn offenbar traute sich niemand an den Stoff, in dem ein wenig hinter die Fassade von Terroristen geschaut wird. Zumindest, soweit es das Stockholm-Syndrom zulässt.
Südamerika: Der einflussreiche Industrielle Hosokawa (Ken Watanabe) hat einige hochkarätige Gäste geladen, unter anderem die berühmte Sopranistin Roxanne (Julianne Moore), die während des Privatkonzerts jäh unterbrochen wird, als Guerillas das Anwesen stürmen und die Anwesenden als Geiseln nehmen, um politische Gefangene freizupressen.
Messner (Sebastian Koch) ein Vermittler zwischen den Fronten, kann wenig ausrichten, denn die Regierung bleibt stur und so zieht sich die Geiselnahme…
Zwar wird mit keiner Silbe der Standort erwähnt, doch es dürfte sich um Lima handeln. Inspiriert wurde die literarische Vorlage von der Geiselnahme in der japanischen Botschaft 1996 in Peru, welche ganze 126 Tage dauerte. Leider geht hier zu keiner Zeit klar hervor, wie viele Tage, Wochen oder gar Monate Rebellen und Geiseln miteinander verbringen, was diverse Beziehungen und Entwicklungen nicht immer ganz nachvollziehbar erscheinen lässt.
Zwangsläufig nähern sich beide Seiten an. Die überwiegend jungen Geiselnehmer verlieren nach einer Weile ihre harte Schale, es wird Karten gespielt, Schach gelernt und auch Sprachbarrieren werden überwunden, denn glücklicherweise befindet sich mit Gen (Ryo Kase) ein fähiger Übersetzer vor Ort, den es auch gleich erwischt, indem er sich in die junge Rebellin Carmen (Maria Mercedes Coroy) verguckt. Deren Annäherung zählt zu den eher subtilen Momenten des Dramas, während die Schwärmerei Hosokawas in erahnbare Verläufe mündet, die wenig filigran ausgetragen werden.
Zudem spielt Operette eine nicht ungewichtige Rolle und da hat man mit Julianne Moore irgendwie ins Klo gegriffen. Trotz starker Präsenz und ansonsten solider Performance nimmt man ihr die Operndiva schlichtweg nicht ab, obwohl sie während der Gesangseinlagen natürlich durch eine professionelle Sopranistin vertreten wird. Eher traut man Christopher Lambert den Hobby-Pianisten zu, der ein paar sympathische Szenen am Rande absolviert. Watanabe ist im Grunde immer eine Bereicherung und auch Koch performt gewohnt souverän, wobei seine Vermittlerfigur nicht viel hergibt.
Obgleich auf dem Höhepunkt des gemeinsamen Treibens innerhalb der letzten fünf Minuten kurzfristig ein wenig Spannung aufkommt, entfaltet sich der Rest der Angelegenheit als reichlich harmlos. Es gibt zu wenige Konflikte, kaum Reibereien und zu selten wird herausgearbeitet, in welch prekärer Situation sich eigentlich beide Lager befinden. Eine Handvoll emotionaler Einlagen und die starken schauspielerischen Leistungen wiegen kaum auf, dass es hier recht beliebig und zu keiner Zeit mitreißend zugeht.
4 von 10