Mit sage und schreibe 37 Jahren startete Steven Seagal seine Filmkarriere – eigentlich kein Alter, wenn man sich nicht ausgerechnet als Actionstar etablieren will. Während er selbst am Drehbuch, dass angeblich auf wahren Tatsachen beruht, mitschrieb und den Film produzierte, nahm Andrew Davis, der ihn später mit „Under Siege“ ganz nach oben hievte, auf dem Regiestuhl Platz.
Obwohl „Nico“ unter Fans berühmt wie berüchtigt ist, bleibt fraglich warum ihm hiermit sofort der Durchbruch gelang und so viele Filme nach demselben Schema folgen sollten. Das Plotkonstrukt um Seagal als Vietnamveteran und knallharter Bulle ist trotz seiner banalen Motive arg konfus gestrickt und lässt den Zuschauer nicht immer durchblicken. Doch dieses Element war ja noch nie die Stärke der Seagal-Streifen und so sollte man sich hier wohl auch eher auf den Hauptdarsteller konzentrieren.
Steven Seagal wirkt besonders in den ersten Szenen sichtlich hilflos und ein kleines bisschen scheu. Die große Schauspielkunst war nie sein Fall, aber die ersten Schritte vor der Kamera sind insgesamt doch recht wacklig. Hin und wieder glaubt man sogar Fragezeichen über seinem Kopf auftauchen zu sehen – Welche Kamera filmt gerade? Wo muss ich jetzt hingehen? Im Verlauf des Films weicht seine Jungfräulichkeit allerdings der Professionalität und so kann sich seine typische Machomentalität ebenfalls langsam entfalten.
Neben einer leider nur durchschnittlich spielenden Pam Grier, die ihren Höhepunkt in den 70ern mit dem Blaxploationkino deutlich hinter sich hatte, als Kollegin, darf eine junge Sharon Stone seine Frau mimen. Die Szenen im Kreise der Familie gehen erwartend böse in die Hose, was allerdings auch der Stone zuzuschreiben ist, die als hilfloses, quietschendes Etwas eine Sache für den Psychologen wäre. Immerhin gelang es mit Henry Silva einen brauchbaren Bösewicht zu engagieren, aus dem die Kaltschnäuzigkeit, Berechnung und Brutalität nur so trieft – was natürlich zum finalen Konflikt führt.
Neben der etwas wirren, teilweise klischeebehafteten Story hat „Nico“ jedoch leider ein großes Problem und das ist die Action, die nur hier und da mal hingekleckert wird. Eine kurze Schießerei hier, eine Verfolgungsjagd da und zwischendurch, oft nur sehr kurz, Macho Seagal der mit trockenen Onelinern, den bösen Jungs den Drömmel weich klopft. Wären da nicht diese gekonnten Kampfeinlagen würde „Nico“ glatt ins B-Movie abdriften, so dröge ist der Film inszeniert. Lag’s am Budget? Davis bewies wenige Jahre später, dass er es wesentlich besser kann!
Letztlich ist Seagals Erstling „Nico“ wohl nur etwas für seine Fans, da dass Werk inzwischen schon ordentlich Staub angesetzt hat und heute, abgesehen von den harten Fights, schon fast das Niveau einer besseren TV-Produktion erreicht hat. Warum sich ihm hiermit eine Karriere eröffnete, die, wohl auch aufgrund seiner fehlenden Schauspielkünste und der so erschwerten Identifizierung mit seinen Charakteren, ihn zwar nie ganz aus den Schatten von Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis brachte, bleibt insgesamt fraglich.
Fazit:
Für Fans der naiven 80er-Actioner sicher genauso sehenswert, wie für Seagal-Fans. Der Film krankt neben seiner Geschichte an Actionmangel, der so nie wieder in einem seiner Werke auftreten sollte. Wer sich mal die ersten Gehversuche des Kampfsportakrobaten ansehen möchte… Bitte!... Aber nichts Großartiges erwarten und so ist „Nico“ auch nur ein knapper Guter.