Review

Seagals verdienter Durchbruch

Zwei Dinge sind mir durch „Nico“ aka „Above the Law“ nochmal aufgefallen. Erstens wie spät Steven Seagal eigentlich ins Film- und Actiongeschäft eingestiegen ist. 1988 erst. Viele würden bestimmt wetten, dass er schon großer Teil der 80er war. Aber dem ist nicht so. Und zweitens was für Banger er anfangs einen nach dem anderen für Martial Arts- und Actionfans herausgehauen hat: nach diesem Schauspieldebüt kamen noch pausenlos „Hard To Kill“, Marked For Death“, „Deadly Revenge“ und natürlich als Höhepunkt „Under Siege“. Das ist schon eine glorreiche Reihe, das war definitiv eine geile Zeit für Fans der ruppigeren menschlichen Auseinandersetzungen im Kino und in den Videotheken. Und von Arnie, Sly, Lundgren, Van Damme zu der Zeit will ich gar nicht anfangen. Ob das nochmal ähnlich wird? Ich bin ziemlich sicher in meiner Lebzeit nicht mehr. Hier darf man als Actionfan wirklich mit Tränen in den Augen zurückschauen. „Above the Law“ stellt Seagal wirklich fast wortwörtlich vor und lässt ihn als Elitecop und Ex-CIA-Agent in Chicago einer Verschwörung auf die Schliche kommen, die seine junge Familie in Gefahr bringt und bis in die höheren Kreise seiner Kollegen reicht…  

Chi-Towns Finest

Filme wie „Nico“ sind schon ein Paradoxon. Einerseits brechen Knochen, explodierten Körper, werden Leute erschossen, sind sie oft lange Zeit verbotenen gewesen in Deutschland und sie stehen für härtere und abgefucktere Seiten des Kinos. Außenstehende oder Aliens die auf unsere Spezies schauen würden Wohlfühlkino wohl ziemlich sicher anders definieren. Und dennoch fühlen sich „Nico“ und Co. an wie eine warme Decke für den Actionfan. Gemütlich, wie nach Hause zu kommen, aus einer unkomplizierteren, fühlbareren und ehrlicheren Zeit. Es ist schwer zu beschreiben, aber obwohl man versteht, dass die Kritiker sowas wie „Above the Law“ damals gar nicht toll fanden und es sich hier sicher nicht um einen Filmklassiker und Weltkino handelt - man guckt dennoch gebannt zu und liebt ihn für das, was er ist. Man guckt ihn auch oft, ohne dass er an Faszination und Unterhaltung verliert. „Nico“ ist simpel, auf die Zwölf, perfekte Männerunterhaltung. Auch wenn das ebenfalls heute ungern ausgesprochen wird - aber Filme wie „Nico“ wurden damals und werden heute mit Sicherheit mindestens 95% von Herren geguckt, wenn nicht noch mehr. Zumindest habe ich noch keine Frau getroffen die den Hang zu solchen Kloppern und Ballermännern teilt. Wenn ihr eine an der Seite habt - lasst sie nicht mehr gehen! Wenn ihr sogar selbst eine seid und das hier lest - du geile Sau! Lob an dich und für deinen wunderbaren Filmgeschmack! Genug allgemein gelabert. Hier noch ein paar Gründe, warum „Nico“ Seagals Karriere ebnete und qualitativ locker in sein oberstes Drittel gehört: Barfights, Shootouts, Autoverfolgungen, Armbrüche, Stunts, Aikodo - hier gibt’s die volle Palette; Seagal läuft lustig; Chicago geht als Schauplatz immer; ein routinierter Regisseur am Steuer; Pam Grier tauchte hier mal wieder auf; im Grunde auch „nur“ ein ruppigerer Krimi; Seagal noch jung, schlaksig, frisch, fit und lange nicht auf Autopilot, selten wirkte er natürlicher; typische 80s-Synthies und Saxophone bringen „die Vibes“; der „Familienvateraufhänger“ funktioniert immer; einer der wenigen Filme, an denen Seagal selbst mitgeschrieben hat; klischeehaft-coole Mafiosi - inklusive einem tollen Henry Silva als Oberbaddie. Das sollte reichen. „Nico“ versprach viel für Seagal als neuer Star am Actionhimmel. Und wie oben gesagt: seine nächsten Jahre und Projekte sollten dem beeindruckend und krachend standhalten! 

Fazit: Seagals Debüt ist gut. Da gibt’s keine Ausreden. Pam Grier ist die menschgewordene Attraktivität, Seagal war nie frischer, die Action macht keine Kompromisse. Gerade Seagals flüssiger (wenn auch oft verschnittener) Aikido-Stil war damals speziell. „Nico“ ist Pflichtprogramm und perfekter Auftakt für jeden gepflegten Seagal-Filmabend - und den sollte wirklich jeder mal gemacht haben! 

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