Wer sich von dem selten gesehenen "mexikanischer Horrorfilm" nicht abschrecken läßt, findet in "Cronos" einen netten, kleinen Horrorfilm spanischer Prägung, der mit einer gelungenen Idee aufwarten kann, die das Vampirmotiv originell variiert.
Leider versiebt der Film seine Ideen im Rahmen seiner recht begrenzten Laufzeit und obwohl das Ergebnis so etwas wie ein poetischer Altersgrusel wird, kann einen bei den hier verschenkten Möglichkeiten schon die Enttäuschung packen.
Filmemacher Guillermo del Toro ist ja so etwas wie ein kleiner Kultregisseur, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, denn obwohl er einen attraktiven Stil besitzt, fehlt es seinen Filmen deutlich an der nötigen Initialzündung. Das gilt auch für den Nachfolger "Mimic", dessen Idee ebenfalls gut war, die Ausführung jedoch relativ konventionell blieb.
Hier hat man mit einem blutsaugenden und lebensverlängernden Insekt, daß in einer goldenen, mechanischen Hülle steckt ein ähnliches Potential wie bei "Hellraiser" in der Hand und der Prolog macht auch Lust auf mehr. Doch auf die Geschichte und die Möglichkeiten des Insekts (die offenbar sehr vielseitig sind, denn es gibt eine Buchanleitung dazu) geht del Toro so gut wie gar nicht ein. Stattdessen entspinnt sich ein Versteckspiel zwischen dem zufällig von dem Insekt abhängig werdenden Antikhändler und einem uralten Knaben, der schon seine halbe Organzahl im Glasschrank stehen hat. Schlimmer noch, als Gaststar verplempert die Regie die Spielzeit mit viel zu vielen Szenen mit einem zwar gut aufgelegten, aber in diesem Film geradezu tödlich fehlbesetzten Ron Perlman (als Sohn des Uralten), der, ignorant und dumm wie Brot, immer wieder ins Bild gerückt wird, während wir auf eine Horrorhandlung warten.
Auch der Händler Jesus bekommt zuviel poetisch verbratene Spielzeit rund um die seltsamen Veränderungen, die mit seinem Körper vorgehen. Neugier gehört auch nicht zu seinem Charakter und so zieht sich das Hin und Her rund um das Insekt bis kurz vor Schluß, wenn Opa und beinahe stumme Enkeltochter endlich die Initiative ergreifen. Und wer jetzt auf eine Überraschung wartet, findet das geheimnisvolle Büchlein vom bösen alten Mann aufgegessen. Wer jetzt nicht enttäuscht aufheult, kann sich auch noch den Schluß antun, wenn Jesus sich für seine menschliche Seite entscheidet und anscheinend das Tierchen zerschmettert (das ist aber nicht sicher) um dann anschließend im Bett dahinzusiechen oder zu gesunden, was genau, bleibt offen.
Das ist zwar mit bisweilen schönen Bildern versehen, aber tödlich langsam inszeniert, angereichert mit langweiligen Einflechtungen (z.B. ein Bestatter, der den Alten zusammennäht, um dann zu erfahren, daß er verbrannt wird), die komisch sein sollen, aber nur die Geduld strapazieren. Da helfen auch der eine oder andere blutige Effekt nichts, das Ergebnis bleibt zäh.
Für Festivalfans mag der Film eine zu bejubelnde Variante im Blutsaugereinerlei sein, ich sehe da nur eine bemühte Idee, zu der (vermutlich auch aus Budgetgründen) nichts wirklich Packendes eingefallen ist. Wer will, kann das (sauber gespielt ist es ja) als originell empfinden, ich würde mir wünschen, daß del Toro mal den Hund von der Kette läßt. Das hat er bisher immer vermieden, weswegen das Tierchen zwar gut frisiert ist, aber nur in der Ecke sitzt und pooft.
Vielleicht widmet sich jemand mit interessanteren Ideen mal einem Teil 2, der Cronos hat es verdient. (5/10)