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Wie bei jedem guten Vampirfilm, geht es auch in „Cronos“ um die Last der Sterblichkeit und den Versuch, dieser zu entfliehen. Dass die eigene Sterblichkeit vor allem ältere Menschen quält, hat Regisseur Guillermo del Toro berücksichtigt und so ist der Protagonist ein älterer Antiquitätenverkäufer namens Jesus Gris (Frederico Luppi). Außer seinem Laden hat der Mann mit dem verheißungsvollen Namen seine Frau und seine stumme Nichte Aurora, die die meiste Zeit im Geschäft ihres Onkels verbringt. Eines Tages entdeckt Gris ein seltsames Objekt, das mehr zu sein scheint als eine Antiquität. Es ist ein Apparat, von dem er nicht weiß, dass es der Cronos ist. Durch Zufall aktiviert er ihn und die Klaue des Insektförmigen Apparates sticht in seine Hand, wie es die Nadel für den Süchtigen tut. Gris wird sich jünger fühlen, vitaler, aber er wird einen unvergleichlichen Durst auf Blut bekommen.Doch ehe er vollständig begreift, was Cronos anrichtet, kommt ihm ein alter Millionär auf die Spur, der mithilfe seines Sohnes (Ron Perlman, den wir in del Toros „Blade 2“ und „Hellboy“ wiedersehen werden) das Cronos an sich reißen will.

Del Toros erster Spielfilm ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Zum Beispiel verzichtet er auf Schockeffekte, und lässt die Spannung durch seine Charaktere entstehen und ihre Beziehung zueinander. Diese sind zuweilen exzentrisch veranlagt, wie Ron Perlmans Angel de la Guardia, der von einer Nasenkorrektur träumt, und seinen Vater unvergleichlich hasst, ihm aber dennoch unterwürfig ist. Der Vater selbst, der einen Weg finden will aus seiner Krankheit, den Weg gegen den körperlichen Zerfall, ist ein der Realität entrücktes, eigennütziges Individuum, das all seine entnommenen Organe in Glasbehältern aufbewahrt, in einem peinlich sterilen Penthouse.

Bliebe noch Jesus Gris, der den Wunsch der ewigen Jugend zurückweist, weil ihn seine Nichte, die sein indirektes Gewissen darstellt, letztendlich zur Vernunft bringen kann. Auch die Rolle der Aurora ist keineswegs störend oder klischeehaft, wie es Kinderrollen in Horrorfilmen sonst aufweisen (vgl. „The Crow“ oder „Spawn“). Verblüffend mit welcher Ruhe del Toro die Geschichte entwickelt, mit welcher Grazie er die Persönlichkeit der Charaktere entfaltet, ohne dabei von seinem Kurs abzuweichen.

„Cronos“ ist ein stiller Horrorfilm, wenn nicht altmodisch, jedoch nur, was die Inszenierung angeht. Die Themen, die angesprochen werden, sind aktuell, zeitlos, weswegen der Film niemals weltfremd erscheint. Manchmal aber erscheint er „zu“ still, zu kalkuliert, an einigen Stellen fehlt das Tempo, welches für einen Horrorfilm unverzichtbar ist, heutzutage. Doch das kann man einem Erstlingswerk durchaus verzeihen. Außerdem steht „Cronos“ del Toros Meisterwerk „Pans Labyrinth“ durchaus näher als seine Auftragsarbeiten „Mimic“ oder „Blade 2“.

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