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Seit den beiden Comic-Adaptionen „Blade 2“ und „Hellboy“ gehört Guillermo del Toro, so kurz seine Filmografie bisher auch ist, zu meinen Lieblingsregisseuren. Grund genug sich also mal seine Frühwerke zu Gemüte zu führen. „Cronos“ entstand vier Jahren vor seinem Hollywooddebüt „Mimic“ in seinem Heimatland Mexico und ist eigentlich nicht der Aufreger, um den Sprung nach Hollywood zu schaffen. Als Fan läst sich hier jedoch das ein oder andere Motiv finden, dass er in späteren Filmen wieder verwenden sollte.

Frei nach Horrorfilmen wie „Wishmaster“ oder „Hellraiser“ bastelt irgendwann im Mittelalter ein Alchimist den Cronos zurecht. Ein Gerät, das ewiges Leben schenkt und ein böses Geheimnis birgt. Über Jahrzehnte verschwunden, gelangt es in den Besitz des Händlers Jesus (Federico Luppi), der, nachdem er den seltsamen, mechanischen Käfer entdeckt, sogleich mit ihm zu spielen anfängt. Allerdings gibt es da noch einen schwerkranken Fiesling, der die Macht des Cronos ebenfalls kennt und sogar eine Anleitung dafür parat hat…

Die schmutzige, braune, düstere Optik gibt „Cronos“ etwas Schmuddeliges und Gefährliches. Mexiko ist nicht unbedingt das Land für anspruchsvolle Filmkunst und so bleibt der Plot auch recht linear - verschenkt dabei nur leider sein Potential. Weitere Einsatzmöglichkeiten des Cronos wären klar von Interesse. Auch wenn man del Toros Stil hier, abgesehen von der latenten ewigen Düsterheit und einigen Kameraperspektiven kaum erkennt, ist der Film dank netter Make-Up-Effekte und dem interessanten Spielzeug keine totale Zeitverschwendung.

Nebenher bleibt nur leider immer wieder die ein oder andere Frage. Warum muss sich Jesus den Blut saugenden Käfer jeden Morgen zur Brust nehmen? Woher stammt der Käfer und wie funktioniert sein goldener Käfig überhaupt?

Wer gespannt auf die erste Zusammenarbeit del Toros mit Ron Perlman (wirkten beide zusammen an „Blade II“ und „Hellboy“) wartet, wird bitter enttäuscht, denn Perlman ist hier völlig neben der Spur und darf nur final den Affen los lassen. Zumindest ist sein Running-Gag ganz nett. Der Humor ist hier übrigens so eine Sache. Anfangs noch ernst, versucht del Toro im letzten Drittel ein paar schwarzhumorige Kalauer zu platzieren, die angesichts des tragischen Schicksals Jesus hier gar nichts verloren haben.

Als Variation der Vampir-Saga mag „Cronos“ eine ganze nette Idee sein, aber dank des deutlich sichtbar beschränkten Budgets, scheint del Toro seine Vision hier nicht ganz umsetzen zu können. Besonders in der ersten Hälfte wird das Katz- und Mausspiel zwischen den beiden Kontrahenten doch arg in die Länge gezogen und ist obendrein noch uninteressant. Erst mit Einsetzen des Vampir-Effekts wird der Film besser, enttäuscht dann aber wieder, weil er die ganzen interessanten Informationen vorenthält.

Fazit:
Guillermo del Toro gelang ein etwas anderer Vampirfilm, der sichtlich unter seinem schmalen Budget zu leiden hat. Trotz eines verschenkten Perlmans gehen die schauspielerischen Leistungen in Ordnung. Die Make-up-Effekte wie die blutigen Einlagen sind nett, nur mit dem Skript hapert es. Bleibt ein optisch dreckiger Genrefilm mit verschenktem Potential und zu viel Leerlauf. Aber inzwischen klappt es ja weit besser.

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