Review
von Leimbacher-Mario
Alright Alright Alright
Ein richtig dicken Fisch versucht Regisseur Travis Knight hier an Land zu ziehen - und fetzt sich dabei das halbe Gesicht weg und landet auch noch in der Schiffsschraube... „Serenity“ ist ambitioniert und mutig, ein bisschen verrückt und ganz anders, als man erwartet oder sich durch den Trailer versprechen könnte - das muss man loben, da muss man schmunzeln, deswegen kann ich das Ding nicht gänzlich zerreißen. Außerdem sieht es dafür die meiste Zeit zu gut aus und ist zu famos besetzt - doch all das macht diese bizarre Mischung aus „Body Heat“ und „Black Mirror“ leider noch lange nicht zu einem Erfolg! Handlung (oder zumindest das, was man wissen darf): ein attraktiver Fischer auf einer einsamen Insel bekommt Besuch von seiner Exfrau, die ihn dazu bittet, ihren jetzigen, sie misshandelnden Mann über Bord zu werfen...
Man weiß, dass die Gezeiten in der Filmbranche zügig an einem vorbei ziehen, wenn man bereits den zweiten oder dritten, nicht miteinander verwandten Film mit dem gleichen Titel sieht. Dieser „Serenity“ hat nichts mit dem „Firefly“-Kinofinale zu tun, ist auf seine pulpig-einzigartige Art aber dennoch irgendwie sehenswert - selbst wenn meine Wertung etwas anderes erwarten lässt. Das hier könnte ein Guilty Pleasure mit theologischen Ansätzen sein für manche. Für mich grenzt es jedoch eher an gut gemeinten Hochglanztrash, ein Desaster von Grund auf, das wie gemacht für die goldenen Himbeeren scheint - und dennoch seine Fans finden könnte... Schwer zu erklären ohne Spoiler, aber guckt ihn euch an, seid verblüfft und entscheidet selbst. Mehr als staunend in die Hose gehen kann’s ja nicht. Ihr merkt sicher, wie hin- und hergerissen ich bin. „Serenity“ könnte auf Drogen geschrieben worden sein, er wirkt bizarr, wie ein Kindertraum mit ernstem Kern. Aber warum ist er dann auch sexy? Naja, das schadet immerhin nie. Allzu viel Sinn oder Intelligenz steckt hinter dem Ganzen meiner Meinung nach eh nicht, eher ein Blender statt Bringer. Immerhin mit konfusen Eiern. Und zwei atemberaubend hübschen Frauen.
Fazit: lässig und lustvoll, seltsam und schön, vielschichtig und völlig verrückt, nicht nur in seinem Twist. Absichtlich artifiziell. Zudem exzellent besetzt und keine Sekunde im klassischen Sinne langweilig. Chuzpe. Charakter. Coolness. Und doch irgendwie ein filmischer Autounfall und ein einziges großes Missverständnis. Ein echter Curveball. Flickenteppich. Fischsuppe. Alles gesetzt - und alles verloren... ?