Es hätte schön sein können…06.06.2020
Harte Zeiten, in denen wir uns immer noch befinden. Mehr oder weniger eingesperrt durch die Kombination aus Virus und Politikerwille, wartet man täglich auf die Gnade weiterer Lockerungen. Das ist besonders schwer, wenn man in Bayern wohnt und die Lage in Österreich vergleicht. Angesichts dieses scheinbar nicht enden wollenden Zustands braucht es Eskapismus in Form des Eskapismus. Ganz besonders geeignet dafür sind Filme, die in malerischen Gegenden spielen und einen für knappe zwei Stunden aus von der Knute des wahnwitzigen Franken und seiner Schergen befreien. Wenn dazu noch der an sich immer sehenswerte Herr McConaughey mittut, ist ein schöner Abend garantiert, so die Grundhaltung vor Filmbeginn.
Nach Filmende ist man dann enttäuscht ob der verschenkten Chance. Aber man ist auch ein klein wenig müde, denn der Film plätscherte recht gemütlich dahin. Und so wenden sich die Gedanken nicht dem alles beherrschenden Thema Virus und Grundschule zu, sondern man diskutiert darüber, warum der Film nun doch kein Hauptgewinn war, trotz der schönen Insel, auf der er spielt. Woran liegt es, daß die Geschichte um den Kapitän, der wohlhabende Männer zum Hochseefischen fährt, Schiffbruch erleidet? An der Besetzung kann es nicht liegen, denn sowohl der Kapitän als auch die beiden Damen um ihn herum machen einen ordentlichen Job. Auch die Story taugt an sich, denn die Ex-Frau des Fischers drängt diesen, mit dem aktuellen Gemahl hinaus zum Fischen zu fahren, um ihn draußen über Bord zu werfen, da der Gatte die Dame stetig verprügelt und auch für den Sohn des Kapitäns eine Gefahr darstellt.
Doch leider hat sich das Drehbuch zu dieser Hauptstory noch ein paar Volten ausgedacht, die dem Genuß abträglich sind. Wir kommen ruckzuck in die Gefilde von ScienceFiction und Computerthemen, befassen uns mit Traumdeutung und geistiger Verbindung über lange Distanzen und enden irgendwann am Echo Beach oder in der Welt von Truman, je nach Sichtweise. Das alles tut dem Film überhaupt nicht gut, verwässert die reine Kriminalstory viel zu stark und nimmt uns dadurch die Freude, einen Abend auf einer karibischen Insel zu verbringen, obwohl dort die Sonne scheint und Rum getrunken wird. Tja, wenn man zuviel will und das Drehbuch überfrachtet, führt das nur selten zum Erfolg, schade, denn es wäre mehr drin gewesen als 6/10.