Marlene Dietrich und Hildegard Knef haben noch einen Koffer in Berlin, Udo Lindenberg weiß, wie es um die Mädchen in Ost-Berlin bestellt ist und die Gebrüder Blattschuss dürften ein paar der Kreuzberger Nächte durchlebt haben. Autor und Regisseur Stratos Tzitzis ist ebenfalls am Nachtleben der deutschen Hauptstadt interessiert, speziell der KitKat-Club hat es ihm offensichtlich angetan.
Es ist Samstagabend in Berlin: Der homosexuelle Gallerist Felix ist unterwegs mit Künstler Michael und seiner Unternehmer-Gattin Sarah und dem Paar Martha und Sebastian, während sich der Syrer Amir an die jungen Lesben Lena und Ingrid hängt und die im fünften Monat schwangere Layla den Vater ihres ungeborenen Kindes sucht. Ihre Wege kreuzen sich im legendären KitKat-Club…
Das Werk wird als erotische Komödie angepriesen, doch wer hier auch nur einen Schmunzler für sich verbuchen kann, dürfte den speziellen Humor von Tzitzis teilen.
Eher ein wenig bizarr gerät das Treiben im Fetisch-Club, denn immerhin gelang es den Machern als erste im gut besuchten Etablissement zu filmen. Für einige Minuten ist das ein durchaus interessanter Einblick mit Halbnackten, Schwulen, Lesben, Metrosexuellen, SM und dergleichen, doch auf Dauer wirkt die Chose wie eine Reportage, an der einige Statisten mitwirken.
Erotik kommt bei alledem nicht auf, denn das bisschen halbnackte Haut wird wenig verführerisch eingefangen und Poppende im Halbdunkeln wirken eher wie bemühte Pornodarsteller, - vor allem wenn einer eine Dame augenscheinlich anal nimmt (der unten liegende hat wahrscheinlich die andere Öffnung besetzt) und dabei munter rammelt, als würde er auf einem Kamel durch die Wüste reiten.
Einen roten Faden sucht man eh vergebens. Es ist ein Streifzug durchs Nachtleben, das schlichtweg keine Spannung erzeugt, allerdings auf atmosphärischer Ebene zu überzeugen vermag, zumal die Club-Sounds gut zusammengestellt sind und die Kamera ohne sonderliche Wackler stets auf Höhe des Geschehens ist. Ebenso wenig gibt es einen Sympathieträger. Allenfalls Amir erhält einen kleinen Mitleidsbonus, weil er trotz einiger Bemühungen stets bei den Damen abblitzt. Den Syrer nimmt man dem nahezu akzentfrei sprechenden, griechischen Mimen indes nicht ab.
So wird hier und da ein wenig Koks gezogen, Alkohol fließt ohnehin überall, die Suche nach dem Erzeuger erscheint von vornherein sinnlos, weil sich die Dame weder an Gesichter, noch an einen konkreten Ort erinnern kann und am Ende geraten manche an ihre Grenzen, während andere in früher Morgenstunde noch weiter feiern wollen. Zumindest ist den Mimen ein Lob auszusprechen, denn obgleich viele Passagen improvisiert wirken, sorgt das Kollektiv für Authentizität.
Wer ein paar Anregungen fürs Berliner Nachtleben benötigt, könnte hier eventuell fündig werden, ist man jedoch auf der Suche nach einer frivolen oder gar anrüchigen Komödie, dürfte man kaum bedient werden. Es bleibt ein Tingeltangel ohne roten Faden, welches am Ende keine Erkenntnisse und ebenso wenige Schauwerte liefert, - denn dafür, dass in einem berüchtigten Fetisch-Club gefilmt wurde, mutet das Treiben erschreckend harmlos an.
Knapp
4 von 10