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Judah Ben Hur (Charlton Heston) freut sich sehr, als er seinen Freund aus Kindertagen wieder trifft. Messala (Stephen Boyd) ist jedoch jetzt die rechte Hand des Stadthalters von Judäa und will eigentlich rasch die Karriereleiter empor steigen. In Ben Hur sieht er eine Möglichkeit, das trotzige Volk Judäas gefügig zu machen. Ben Hur, patriotisch wie er nun mal ist, stellt sich quer. Als dann ein Unfall als Attentat auf den Stadthalter interpretiert wird, ist es um Ben Hur, dessen Mutter und seine Schwester geschehen. Während die beiden Frauen in den hintersten Kerker gesperrt werden, soll Ben Hur auf den Galeeren rudern. Nachdem er dann ein letztes Mal nicht wirklich für voll genommen Rache schwört, geht es dann auch schon los. Drei Jahre später ist sein Blick nur noch verbitterter und sein Körper beinahe ähnlich "Conan" durch die Plackerei stattlich geformt. Quintus Arrius (Jack Hawkins) fällt dies auf und nachdem ihn Ben Hur nach einer harten Schlacht auch noch das Leben rettet, nimmt er ihn mit nach Rom. Ben Hur etabliert sich als Wagenrennfahrer und wird letzten Endes von Arrius adoptiert. Ein guter Zeitpunkt, um nach Judäa zurückzukehren und eine Rechnung zu begelichen. Hier findet Ben Hur nicht nur seine verlorene Liebe Esther (Haya Harareet) wieder, sondern muss auch erfahren, dass seine Verwandten scheinbar das Zeitliche gesegnet haben. Seine Rache muss also besonders hart ausfallen; Messala zu töten wäre zu einfach. Die Lösung: Ein Wagenrennen am Circus Maximus! Messala, ein Römer, besiegt von einem Juden - das wäre eine Schmach, an der Messala zu kauen hätte. Nach dem pompösen Wagenrennen erfährt Ben Hur dann, dass seine Verwandten nicht tot seien, sondern "lediglich" im Tal der Aussätzigen mit ihrer Lebra kämpfen. Indem dann am Ende Jesus gekreuzigt wird, endet das Epos schließlich.

Der Film lässt sich für diese doch komplexe Geschichte viel Zeit, ohne aber den Vorurteilen zum Trotz wirklich langweilig zu werden. Lediglich bei den monumentalen Aufmärschen muss ich William Wyler kritisieren und in Frage stellen, ob man den Storyfluss derartig ins Stocken kommen lassen muss. Natürlich bekommt der Film so seinen epischen Charakter, aber es wirkt ein bisschen so, als hätte man es auf einen 3 1/2 Stundenfilm angelegt.

Die eigentlichen Handlungszenen sind jedoch toll gespielt; der Dialog wirkt selbstredend stark aufgesetzt, was aber gut zum Film passt. Die Leistung der Darsteller ist tadellos, wobei mein Highlight Stephen Boyt ist, der den Antagonisten spielt. Er ist der einzige, der es durchgehend schafft, Charlton Heston die Schau zu stehlen. Sogar in der Szene nach dem Wagenrennen, als er auf dem Krankenbett liegt, überragt er auf ganzer Linie. Bester Dialogspartner für Charlton Heston scheint mir Haya Harareet zu sein. Die beiden harmonieren prächtig miteinander. Haya verleiht ihren Emotionen guten Ausdruck, ohne dass Charlton Heston dabei erblassen muss.

Spannungstechnisch finde ich es aber extrem ungeschickt, den Film nach dem Wagenrennen als lokalen Höhepunkt noch eine weitere Stunde laufen zu lassen. Zwar bekommt der Film durch die Genesung von Miriam und Tirzah das ultimative Happy End, doch hätte das ja gar nicht unbedingt sein müssen. Überhaupt hätte der ganze Nebenplot mit Jesus gerne weggelassen werden können. Eine kleine Anspielung wäre genug gewesen, zum Beispiel als Jesus Ben Hur Wasser gibt. Von der Geburt und vom Ableben zu erzählen, verleiht dem Film lediglich einen diffusen Blick auf die wesenltichen Dinge. So lenkt doch die Szene, in der Josef seinen Sohn Jesus vor einem Kunden in Schutz nimmt, arg vom Hauptplot ab. Ich finde es ja nicht unbedingt schlecht, wenn ein Film sich Zeit lässt für andere Dinge, aber nach dem Wagenrennen ist einfach die Luft raus, als dass einem Jesus Abgang nur irgendwie nahe gehen könnte. Durch den sich bewegenden Stern und das von Gott herbeigeführte Gewitter am Ende sowie die besagte Genesung von Ben Hurs Familie verliert der Film auch etwas an seiner seriösen, bodenständigen Natur.

Nichts desto trotz ist "Ben Hur" ein äußerst unterhaltsamer Film, sicherlich etwas zäh, aber abwechslungsreich. Neben den tollen Darstellern ist natürlich das Wagenrennen ein echter Hingucker.

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