Was haben ein Boxer, ein Vietnamveteran und eine Riesenechse gemeinsam? Alle drei haben Filmreihen, die nach einem düsteren, großartigen ersten Teil komplett die Richtung geändert haben (Rocky hat wieder zurück gefunden, Rambo und Godzilla nicht). Nach dem Erfolg der ersten beiden Godzillafilme wusste Toho, die Produktionsfirma, nichts Besseres, als immer mehr Monster in einen Film zu werfen, auch aus anderen, später gestarteten Filmreihen. Stuntmen in Gummianzügen prügelten sich durch immer schlechtere Pappstädte und immer tumbere Stories, bis Godzilla nach über 20 Jahren ausgelutschtund vom Ungeheuer zum Verteidiger der Erde und Elter mutiert war. Zwei weitere Filmreihen in Japan und ein komplett verbautes US-Remake später, hat man es in den USA nochmal „ernsthaft“ versucht, diesmal konsequent als Update der Japanreihe, sodass schon im ersten Teil im Finale mehrere Monster zum Einsatz kamen. Ziel war hier direkt, ein Franchise aufzubauen, das kurzfristig in einen Kampf zwischen Godzilla und King Kong münden sollte – allerdings weder der Original-King-Kong, noch der von Jackson, sondern einem ganz neuen, der in Skull Island eingeführt worden war. Roter Faden ist dabei eine Gruppe namens „Monarch“, die die Kaijus sucht, sammelt und untersucht. Die Kaijus heißen hier Titans und sind Superwesen aus der Erdvergangenheit, die überlebt aber geschlafen haben. Monarch sucht sie, um zu forschen. Eine Terroristengruppe kommt auf die lustige Idee, sie aufzuwecken, unter anderem das größte Ungeheuer von allen, den dreiköpfigen Ghidora, der sofort alle anderen Monster zu sich ruft und steuert. Der einzige Weg, ihn davon abzuhalten, die Erde mal eben kurz mit dem ganz großen Bulldozer zu überrollen, ist… natürlich Godzilla (schon in den alten Reihen Ghidoras Erzfeind), den man Ende des ersten Films noch geplättet hatte…
Das Interessante ist, dass der Film sich wirklich konsequent als Update sieht, sprich, Handlungslinien der alten Filme adaptiert, inklusive Mothra als Verteidigerin der Menschheit. Damit wird das Ganze zu einem banalen Actionoverkill mit Monstern, wie es schon die alten Filme waren, nur mit modernen Effekten und ziemlich dickem Budget. Die Menschen sind nur dafür da, die Monsterkämpfe und Zerstörungsorgien moderierend zu begleiten, während man darauf wartet, dass am Ende Godzilla und King Ghidora sich gegenseitig die Stoffwechselendprodukte aus dem Leib prügeln. Ja, es gibt ein bisschen Vater-Mutter-Tochter-Drama, es schwirren ein paar mythische Prophezeiungen durch den Raum, Hohlweltschwurbel wird mit in den Topf geworfen, ein böser Terrorist wurde aus der Mission-Impossible-Reihe ausgeliehen (Anarchie blabla), aber man will zwei Dinge sehen – wie riesige Ungeheuer wechselweise die Landschaft und sich gegenseitig plätten. Den kindlichen Charme von damals hat das durch die ausgefeilte Tricktechnik nicht (auf der technischen Höhe der Zeit war Godzilla ehrlich gesagt nie – während Ray Harryhausen Wunder mit Stop Motion vollbrachte oder George Pal Alienraumschiffe und Zeimaschinen zum Leben erweckte, waren die Gummimonster und Spielzeugstädte zwar liebevoll gemacht, aber nicht wirklich der Gipfel der damaligen Tricktechnik), wird aber mit Spaß an sinnloser Zerstörung serviert. Der Menschensubplot wirkt drollig verzweifelt, weil die Menschen nun mal nur Statisten in dem kompletten Wahnsinn sind und hilft, die Pausen zwischen den Monsterauftritten zu überbrücken. Als dann eine halbe Stunde vor Schuss endlich der einzig wahre König aller Monster auftaucht, um seinen Erzfeind zu vermöbeln, ist man heiß auf den Fight, insofern macht der Film vieles richtig. Ich persönlich fand Skull Island unterhaltsamer, aber das hier ist trotzdem ein solider Eintrag, der sich, anders als das 98er Debakel, nicht schämen muss. Wenn das Monsterversum so weiter geht, darf da ruhig mehr kommen.