GODZILLA II – KING OF THE MONSTERS
(GODZILLA: KING OF THE MONSTERS)
Michael Dougherty, USA/Japan/China 2019
In meinen Bemerkungen zum Asylum-Streifen Monster Island habe ich soeben auch ein paar kritische Worte zu dessen großem „Vorbild“ Godzilla II – King of the Monsters verloren und will mich, da das Thema nun gerade auf dem Tisch liegt, noch einmal kurz zu dieser von Michael Dougherty in Szene gesetzten 170-Milionen-Dollar-Produktion äußern – als erklärter Kaijū-Eiga-Liebhaber sollte ich mich ohnehin auch mit den Hollywood-Auftritten von Godzilla und seinen Monsterkollegen beschäftigen.
Godzilla II – King of the Monsters ist die Fortsetzung oder der Nachfolger von Gareth Edwards‘ durchaus gelungenem Godzilla-US-Reboot aus dem Jahr 2014, weshalb die Zeichen hier also gar nicht so schlecht standen. Leider kann Michael Doughertys Arbeit nicht halten, was man sich von ihr auch dank der Ankündigung weiterer Nippon-Kultmonster versprechen durfte. Die gute Nachricht zuerst: Ja, diese weiteren Kultmonster mischen in Gestalt von King Ghidorah, Rodan und Mothra tatsächlich kräftig mit (Cameos haben sogar noch weitere) und sehen einfach großartig aus – in einer solchen Qualität und mit einer derart düsteren physischen Präsenz hat man sie wirklich noch nie gesehen. Als bestes Beispiel dafür dient hier der Ehrfurcht gebietende Rodan, dem in den alten japanischen Streifen ja des Öfteren etwas milde Lächerliches anhaftet.
Dumm ist nur, und somit war’s das dann auch schon mit den guten Nachrichten, dass der Film nichts Vernünftiges mit ihnen anzufangen weiß – Michael Dougherty und sein lausiges Skript kümmern sich vornehmlich um eine nach dem Tod ihres Sohnes traumatisierte und zerstrittene Familie (arrgh!), die den Betrachter durch das Geschehen leiten und ihm einen emotionalen Anker bieten soll – was aber vorn und hinten nicht funktioniert, weil sich ausgerechnet die als zentrale Figur eingeführte Mutter als überaus ambivalente Figur erweist und das Treiben von Vater und Tochter entweder von plakativer Seelenpein verkleistert wird oder schlichtweg nervt. Und wie selbst in jedem auch noch so würdelosen Katastrophenheuler aus der Wühlkiste muss am Ende natürlich auch hier wieder einmal die (ansonsten aber superschlaue und heldenhafte) Tochter gesucht und gerettet werden. Herrgott – wenn man all diesen zum Drama hochgepäppelten Familienschmonz Spielberg’scher Schule betrachtet, will einem sogar der zuständige Asylum-Mockbuster Monster Island mit seinem Verzicht auf ein miteinander verwandtes oder verschwägertes Personal geradezu revolutionär erscheinen.
Bei so viel Hollywood-Purismus überrascht auch nicht mehr, dass man im Verlauf von Godzilla II – King of the Monsters des Öfteren durch Rettungen in allerletzter Sekunde und auf den allerletzten Zentimeter seinen Verstand beleidigt sieht – man möchte darin gern ein parodistisches Element erkennen, aber das gelingt hier leider beim besten Willen nicht. Und schließlich noch etwas: Es wäre schön gewesen, wenn die Autoren Michael Dougherty, Zach Shields und Max Borenstein eine Geschichte ersonnen hätten, in der die titelgebende Riesenechse nicht glüht und zu explodieren droht – das gab es schon in Godzilla vs. Destoroyah, Shin Godzilla und Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht, und damit hätte es wirklich genug dieses Unfugs sein sollen.
Unter alledem, sprich der sülzigen US-Massenkino-Routine, der man hier an allen Ecken und Enden ausgeliefert ist, leidet natürlich die Rezeption der bis auf einen sinnlos hektischen Schnitt stark umgesetzten und in ihren besten Momenten auch ungemein wuchtigen Monsterkämpfe – zumindest unterschwellig bleibt immer der Eindruck, dass Godzilla und seine Kollegen hier einfach nicht hingehören. Zudem machen sich diese „besten Momente“ ziemlich rar, wozu auch der Umstand beiträgt, dass die Monster offenbar lichtscheu sind – man sieht sie fast ausnahmslos bei Nacht und allzu oft zusätzlich auch noch bei Regen (ich kann mich nur an Rodan erinnern, der einmal kurz bei Tageslicht über eine Stadt fliegt). So geht vieles im Halbdunkel unter, was eigentlich denkwürdig ist.
Aber auch wenn man mitunter gern mehr erkennen würde, liegen die großen Stärken von Godzilla II – King of the Monsters eindeutig (und pflichtgemäß) im visuellen Bereich – der Streifen punktet mit prallen Breitwandbildern und überwiegend erstklassigen VFX, wobei wie schon erwähnt die phantastisch animierten Monster im Mittelpunkt stehen (allen voran King Ghidorah, dessen Bewegungen hier zum ersten Mal absolut „echt“ aussehen – ein Fest). Allerdings ist selbst bei dieser mit fürstlichen Mitteln ausgestatteten Produktion nicht alles State of the Art, was aus den Rechnern der Effektspezialisten stammt: Bei CGI-Explosionen und CGI-Flammen (ein ewig leidiges Thema) schwächelt auch Godzilla II – King of the Monsters.
Zu den menschlichen Mitwirkenden lässt sich wiederum nur wenig Erfreuliches sagen, obwohl hier einige ausgesprochen gute und von mir gern gesehene Leute am Start sind. Zu ihnen gehört Hauptdarstellerin Vera Farmiga, die mir zuletzt in Duncan Jones‘ Source Code sehr angenehm aufgefallen ist – ich mag sie wirklich, aber in diesem Fall wird sie als abtrünnige Wissenschaftlerin (und natürlich Familienmutter) zum Opfer ihrer unangenehmen Rolle. Kyle Chandler als Ex-Ehemann ebendieser Wissenschaftlerin nervt derweil mit dem übertriebenen Ausstellen der desolaten psychischen Verfassung seiner Figur, während Millie Bobby Brown als Tochter der beiden schon dadurch ein beträchtliches Ärgernis ist, dass sie furchtbar aufdringlich versucht, hier ganz großes Schauspiel abzuliefern. Anfangs bin ich noch ganz gut mit ihr zurechtgekommen (in erster Linie, weil sie wenigstens nichts Barbiepuppenhaftes mitbringt), aber mit jeder Minute ist sie mir mehr auf den Zeiger gegangen, kräftig gefördert durch das Ausmaß der Screentime, die ihr zugebilligt wird – gefühlt hat sie zehnmal mehr davon als der Titelheld und seine Kollegen, und schon allein das beerdigt diesen Film. Der Kuckuck möge mich in den nächsten Jahren vor ihr behüten.
Andere namhafte Mitwirkende haben eher belanglose Dialogrollen im Kontrollzentrum der Wissenschaftler: Die immerhin erfreulich authentisch synchronisierte Zhang Ziyi ist als Erklärbärin reichlich verschenkt, Ken Watanabe gibt gelegentlich Philosophisches von sich und Sally Hawkins taucht recht schnell völlig ab. Neben ihnen ist noch Game of Thrones-Akteur Charles Dance erwähnenswert, der als Öko-Terrorist und Verantwortlicher für die hier geschilderte Monsterplage aber ziemlich gelangweilt und farblos wirkt. Farblos ist schließlich auch der Score von Bear McCreary, der das Geschehen mit beliebig austauschbaren Hollywood-Großproduktions-Orchesterklängen begleitet und dem Betrachter selbst mit Serj Tankians Abspann-Song keinen Gefallen tut. Die mit Abstand beste Passage ist eine Reverenz an Akira Ifukubes unsterbliches Godzilla-Thema – das sagt schon alles.
Was bleibt, ist ein trivialer Allerwelts-Blockbuster mit plump aufgetragener Alibi-Öko-Botschaft und fast allen Unsitten des amerikanischen Kommerzkinos, der ohne Zuneigung ein paar japanische Kultmonster für nichts und wieder nichts verheizt. Natürlich liefert er eine Reihe sehr eindrücklicher und sogar grandioser Bilder, aber ehrlich gesagt bekommt man perfekt getrickste gigantomanische Kloppereien und lästige menschliche Mitwirkende auch im jährlichen Transformers-Schrott geboten. Von daher können hier selbst die besten Riesenmonster nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Immerhin: Sie tun es – danken wir ihnen dafür.
Godzilla II – King of the Monsters aber darf sich gleich neben Roland Emmerichs Legendenschändung Godzilla aus dem Jahr 1998 in die Annalen der Filmgeschichte eintragen.
(08/21)
4 von 10 Punkten.