1989 kreierte Anthony Hickox (Waxwork, Hellraiser III) "Sundown - Rückzug der Vampire" und trotz Kultpotenzials blieb der Titel weitestgehend unbeachtet, obwohl selbiger, die gewisse Herren Tarantino und Rodriguez später zum grandiosen "From Dusk Till Dawn" mit inspiriert haben soll.
Story: Eine ganze Vampirgemeinde lebt unter ihrem Anführer Graf Mardulak (David Carradine) im abgelegenen Dorf namens Purgatory. Dort ernähren sie sich allerdings nicht von Menschenblut, sondern von künstlichem Blut, denn Mardulaks Intention ist ein friedliches Miteinander, zwischen Mensch und Vampir. Als bei der Massenproduktion der flüssigen Nahrung Probleme auftauchen, kommt David Harrison (Jim Metzler) samt Frau Sarah (Morgan Brittany) und ihren beiden Töchtern nach Purgatory. David soll die Produktion wieder zum laufen bringen, doch just in dem Moment, startet eine ganze Horde Vampire, angeführt von Ethan Jefferson (John Ireland), eine Revolte gegen Mardulak, um für das Recht, Menschen zu töten und ihr Blut auszuschlürfen zu kämpfen. Und mittendrin: ein Nachfahrer Van Helsings, Robert Van Helsing (Bruce Campbell), der jedoch, nüchtern betrachtet, ehr eine Gefahr für sich selbst darstellt, als für die fiesen Blutsauger. Somit kommt es für die Familie Harrison, Robert Van Helsing und der friedlichen Vampirgemeinde um Mardulak zu einem alles entscheidenden Endkampf, ein ungleiches Duell zwischen Gut und Böse...
Kritik: "Sundown - Rückzug der Vampire" in ein Genre zu stecken würde sich schnell als sinnlos erweisen. Vielmehr hat man es hier mit einer schrägen Mixtur aus den verschiedensten Ecken zu tun. Zum einen natürlich Horror, denn schließlich handelt es sich hier um Vampire. Außerdem gibt es auch zwei, drei leicht schaurige Momente und auch ein, zwei Splatter-Szenen, die aber nicht sonderlich hart ausfallen, da es sich hier ja um eine FSK 16 Freigabe handelt. Obendrauf setzt der Film aber auch sehr viel auf den komödiantischen Part, sodass man an manchen Stellen sogar das Gefühl hat ehr in einer Parodie zu hocken, als in einem Horror Streifen. Dabei entpuppt sich der humorige Part als sehr gelungen. Es ist noch nicht einmal die Tatsache, dass man vor Lachen gar nicht mehr aufhören kann, denn dies trifft hier weniger zu, sondern die Liebe zum Detail. Nette Anspielungen auf allerlei Vampir-Klischees, ein lustig-kultiges Rentner-Trio im ZZ-Top Style inklusiv coolen Dialogen, nette Anspielungen bzw. Weiterentwicklung des klassischen Stoker-Vampirstoffs um Dracula und Van Helsing und noch viele, viele weitere Kleinigkeiten, sodass vor allem der Fan jeglicher Vampirstreifen, den Film als kleine Perle betrachten könnte. Andererseits ist der Film streckenweise so überzeichnet und nimmt sich zu keiner Sekunde selber ernst, sodass man den Film auch als puren Trash-Streifen abtun könnte. Aber dennoch wirkt er zu keinem Zeitpunkt billig, denn die Locations und die Atmosphäre sind ebenfalls mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden. Zusätzlich ist der Film aber in gewisser Weise auch ein Western, zwar spielt der Film in der heutigen Zeit, aber viele der Blutsauger tragen Cowboy-Kleidung, im Showdown reiten sie rumballernd auf Pferden, Purgatory wirkt von der Aufmachung her wie eine Westernkleinstadt und vor allem Richard Stones Musikuntermalung, ist ein waschechter Western-Soundtrack, wie er im Buche steht. Verbunden mit den Schießereien kommt es zum Ende hin auch zu einer ordentlichen Portion Action. Vorher lässt sich Hickox viel Zeit um die einzelnen Charaktere einzuführen. Für Leute die nach Action oder Horror lechzen mag dies evtl. etwas langatmig sein, was aber in meinen Augen die Liebe zum Detail mehr als wett macht. Effekte kommen natürlich auch vor und sehen für das entsprechende Alter des Films und dessen Budget ($ 3.000.000) akzeptabel aus, müssen hier aber auch gar nicht überragend sein, da sich der Film bewusst auf seinen Trash-Faktor fokussiert. Der einzige kleine Minuspunkt ist, das es etwas an Spannung mangelt, da der Film aber recht kurzweilig ist und zu keinem Zeitpunkt langweilig, kann man das verschmerzen.
Darstellertechnisch kann man dem Film auch nichts vorwerfen. David Carradine (Kill Bill, Fackeln im Sturm) spielt den Grafen Mardulak mit viel Klasse und herrlich altmodisch von der Körperhaltung her. Bruce Campbell (Tanz der Teufel I + II, Armee der Finsternis) darf hier seine trottelige Seite zum Vorschein bringen und erntet somit auch die meisten Lacher. Sehr sehenswert wie Campbell hier mit Schnäuzer und recht nervös wirkend durchs Bild zappelt und beim Zuschauer jede Menge Sympathiepunkte ergattert. Die restliche Crew steht da ein wenig im Schatten der genannten zwei, was aber nicht heißt, dass sie ihre Rollen nicht zufriedenstellend ausfüllen. Vor allem Jim Metzler (Fackeln im Sturm) und Deborah Forman (Waxwork), die sich hier in Campbell verguckt machen ihre Sache absolut überzeugend und auch John Ireland (Spartacus) überzeugt als Fiesling. Nur die deutsche Synchronisierung wirkt stellenweise ein wenig unpassend.
Fazit: Eine einzigartige Mischung aus Western, Horror, Vampirkomödie und Trash, mit herrlich schrägen Einfällen, darüberhinaus liebevoll umgesetzt, mit einem starken Western-Score hat "Sundown - Rückzug der Vampire" zu bieten. Natürlich kann so eine Kuriosität nicht jedermanns Geschmack sein, aber Fans und Sammler von Vampirfilmen, sollten ruhig einen Blick darauf werfen, vor allem Fans von "From Dusk Till Dawn", könnten hier aufgrund der Atmosphäre auf ihre Kosten kommen. Für mich ist der Streifen eine kleine Perle. 9/10