Nach der etwas ignorierten, nichtsdestotrotz sehenswerten Triaden-Dramödie Once A Gangster (2010) die zweite eigenständige Regiearbeit von Felix Chong; ein Mann der ersten Stunde nach der Übergabe HKs an China 1997, welcher seitdem das einheimische Kino vor allem als Autor (u.a. mit der Infernal Affairs Trilogie) und als Co-Regisseur im Verbund mit Alan Mak (u.a. die Overheard Trilogie) entscheidend geprägt und deren Genreware in Sachen Crime mit wehenden Fahnen oben gehalten hat. War schon der vorherige Abschluss Overheard 3 (2014) nunmehr auch in der stetig wachsenden und damit auch stetig wichtiger werdenden Filmlandschaft der Volksrepublik China mit damaligen 53 Mio. USD ein vergleichsweiser Erfolg, so ist Chong dies mit Project Gutenberg noch einmal und das eben eigenständig auf ganzer Linie geglückt. Aufgrund der Starbesetzung mit Chow Yun-fat und Aaron Kwok war ein Zuspruch seitens des Publikums nicht gänzlich überraschend, das letztlich erlangte Kinoeinspiel von knapp 160 Mio. USD ist dennoch eine Hausmarke, die Ausrufezeichen setzt und ähnlich gelagerten Filmen sonst nicht gegönnt ist:
Als der in Thailand festgenommene Geldfälscher Lee Man [ Aaron Kwok ] nach einem Gefängnisaufenthalt den Behörden um Inspector Ho Wai-lam [ Catherine Chau ] und ihrem Vater, Deputy Commissioner Ho [ Alex Fong ] überstellt wird, hat Lee eigentlich nur eine Chance, dier der Kooperation und der Mitwirkung auf der Suche nach dem legendären 'Painter', dem Kopf der Bande nämlich. Motiviert auch durch seine Exfreundin Yuen Man [ Zhang Jingchu ], die beim Verhör auf ausdrücklichen Wunsch und Genehmigung anwesend ist, erzählt Lee Man von seinen Anfängen als verarmter Maler, der mit seiner brotlosen Kunst hausieren ging und so und über sein vorhandenes Talent in den Blickwinkel von Ng Fuk-sang [ Chow Yun-fat ] und dessen Gang mitsamt Ng Yam [ Liu Kai-chi ], Shum Sei-hoi [ Justin Cheung ] geriet.
"I'm not interested in that story.", und mit einem lauten, energischen, repetierenden Schlagen des Feuerzeuges auf den Glastisch unterbricht eine Polizeibeamtin eine Rückblende; die Erzählung des zünftigen Undercover über seinen Werdegang. Der Polizistin möchte man fast zustimmen, hat doch das bisherige Geschehen nicht so wirklich die Fähigkeit, den Zuschauer zu interessieren, abseits einiger weniger bis dato gelieferter größerer Bilder ist das Materielle oder doch vor allem das Formelle von Filmemacher Chong noch reichlich artifiziell. Vieles wirkt weniger artistisch als vielmehr gekünstelt, wird das Gebotene inklusive einer imaginären Bombensequenz unnötig überhöht und gleichzeitig von Leben entleert; selbst die Erinnerung an eine arme Episode im Vancouver der Achtziger Jahre hat keinerlei richtige Existenz, sondern nur Schauspiel direkt für die Kamera und wenig Essenz und noch weniger Effizienz.
Im Gegensatz zu Mitstreiter Alan Mak, welcher hier produziert, galt Chong bisher immer als der einfache Mann, der, der für die narrativen Zutaten zuständig ist, während andere das in ein Format bringen und kleiden; der Mann für das Niveau, wo der Rest wie eben Mak (oder zuvor Andrew Lau) im edlen Gestus, aber auch mit etwas zu viel reinen Visualität bis hin zur Sterilität das Geschriebene in optisch oftmals theatralische bis prätentiöse Bahnen lenken. Leider verlässt er hier die Pfade und möchte nicht nur etwas Großes in Sachen Aufwand bis hin zum Epos schaffen, was ihm phasenweise sogar gelingt, sondern will auch noch zusätzlich dramaturgisch extra clever sein und so wirken, was schon von Anfang an auf Biegen und Brechen versucht wird und so von und gerade zu Anfang so überhaupt nicht gelingt. Dass man überhaupt die Kurve noch bekommt und sich nicht selber ständig im Wege steht liegt an der finalen (leisen) Szene und am detailliebenden Mittelteil, der einfach nur bebildert und einfach nur erzählt.
Denn "Let's bring Painter into the picture." eröffnet dann ein Kapitel, welcher ebenso wie das Vorherige reich an Details, nunmehr aber auch mit einer Präzisionsarbeit und einer gewissen Faszination für das Kulturelle und Handwerklichkeit einer natürlich kriminellen, aber auch höchst elitären Einheit versehen ist. Wohl auch deswegen entsteht ab dann weniger das Porträt in Form eines (Action)Thrillers als von der Stimmung her ein Heist Movie, ist die Vorbereitung und die Planung das A und O und wird erst theoretisch und dann später erst, ganz am Ende praktisch in Perfektion und dies verbunden auch mit viel Reisen in fremde Herren Länder und allerlei Protz und Prunk auf der Leinwand ausgeübt.
Zudem wähnen sich die Darsteller verbal selber alle naselang als Haupt- oder Nebendarsteller einer Geschichte ("I'm telling you...in this world, there can only be one leading man out of a hundred people. The leading man pursues perfection at all times. But he must first have a stage to perform on." bzw. "I'm just a supporting character in your story."), wodurch der Film (indirekt?) auf eine andere Ebene gehoben wird und noch mehr wie ein Ausstellungsstück mit Schauwert und selber wie eine Kopie von bekannten Materialien wirkt. Folgerichtig gibt es auch etwa mittig in der Geschichte eine glorreiche, ausgedehnte und offensichtlich tributreiche Actionszene, eine Kleinkriegssequenz im Dschungelmilieu, die wie eine Modernisierung von John Woos Heroes Shed No Tears mit mehr Exzess und weniger Gewalt aussieht, eine Over the top - Schießerei inmitten eines paramilitärischen Lagers eines thailändischen Generals, in der mit Gusto und Inbrust und natürlich beidhändig feuernd Hunderte von den uniformierten Schergen ins Nirwana gepustet werden und die Hütten nacheinander in flammende Feuerbälle gesprengt.